Dominik von „Finanziell frei mit 30“ beschreibt heute in seinem Gastartikel, dass es durchaus sinnvoll und lukrativ sein kann, den Aktionismus runterzuschrauben um durch Passivität bessere Erfolge zu verbuchen. Nicht umsonst sollte passives Einkommen, passiv sein. Lasse dich im folgenden Beitrag über diesen typischen Denkfehler im Leben und an der Börse aufklären. Viel Spaß beim Lesen.

Der Action Bias

Wir werden aufgrund dieses Denkfehlers in vielen Fällen aktiv, wo uns das überhaupt nichts nützt oder im schlimmsten Fall sogar schadet. An einem Beispiel aus dem Fußball lässt sich dieser Effekt sehr gut verdeutlichen.

In Studien wurde herausgefunden, dass beim Elfmeterschießen statistisch gesehen ungefähr ein Drittel der Bälle in die Ecken links und rechts geschossen werden und ein Drittel der Bälle in die Mitte gespielt werden. Trotzdem wird bei fast jedem Elfmeter der Torwart entweder in die linke oder in die rechte Ecke springen. Es ist einfach so, dass es deutlich besser und spektakulärer aussieht, wenn der Torwart in irgendeine Ecke springt und dann den Ball verpasst, als wenn er in der Mitte stehen geblieben wäre und der Ball unerreichbar in einer Ecke landet. Es ist verpönt nicht zu handeln, auch wenn es in manchen Fällen sogar die bessere Entscheidung wäre. Der Torwart könnte einfach in der Mitte stehen bleiben und die Bälle, die in die Mitte kommen auch deutlich leichter blocken, weil er diese nicht im Sprung abwehren muss.

Woher kommt der Action Bias?

Wie bei vielen unserer Denkfehler ist auch dieser darauf zurückzuführen, dass unser Gehirn sich innerhalb der letzten 2000 Jahre nicht besonders stark verändert hat, während sich unsere Lebensumstände komplett gewandelt haben. Wir sind mit einem uralten Steinzeitgehirn in der Neuzeit unterwegs, was zu vielen (schwerwiegenden) Denkfehlern führt.

In der Steinzeit zahlte sich schnelles und entschlossenes Handeln mehr aus als das Nachdenken. Wenn vor mir irgendeine Kreatur steht, von der ich nicht weiß ob sie gefährlich ist, ist es besser wegzulaufen, auch wenn sie überhaupt nicht gefährlich ist. Im Gegenteil kann längeres Nachdenken sogar dazu führen, dass wir unser Leben verlieren. In unser heutigen Welt zahlt sich Nachdenken aus, weil die allermeisten Entscheidungen nicht mehr lebensbedrohlich sind und durch das Nachdenken besser gelöst werden können.

Das kann in der heutigen Zeit zum Beispiel die Wahl der passenden Klamotten oder die Bewerbung auf einen bestimmten Job sein. Durch intensives Nachdenken und Überlegen kann ich meine Chancen erheblich erhöhen. Wer einfach spontan irgendetwas macht und nicht über die möglichen Konsequenzen nachdenkt, wird damit viel größere Probleme haben.

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Aktives oder Passives Investieren

Beim Investieren kommen wir häufig in die Lage, dass Nachrichten oder irgendwelche anderen äußeren Einflüsse versuchen uns dazu zu bewegen, aktiv zu handeln und Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. In diversen Studien wurde herausgefunden, dass ein passiver Investmentansatz ohne aktives Handeln und den Versuch den Markt zu schlagen in den meisten Fällen (vor allen nach Kosten und Steuern) deutlich besser abschneidet.

Trotzdem fällt es uns so schwer einfach nichts zu tun und dadurch die besseren Ergebnisse zu erzielen. Das liegt daran, dass es in der Natur in der Regel genau anders herum ist und mehr Aktivität und Training fast immer zu besseren Ergebnissen führen.  So werde ich sportlicher, wenn ich mehr trainiere. Ich kann bessere Vorträge halten, wenn ich das regelmäßig übe. In fast allen Bereichen ist es so, dass ich mit mehr Übung deutlich bessere Ergebnisse erzielen werde.

Bei dem Thema der Geldanlage ist es allerdings genau anders herum. Wenn ich mich viele Stunden damit beschäftige Aktien zu analysieren und den optimalen Zeitpunkt abzupassen, kann ich besser abschneiden. Es ist allerdings nicht so wahrscheinlich wie in den ganzen anderen Bereichen. So kann ich selbst mit 1000 Stunden Aktienanalysen schlechter abschneiden als jemand, der ganz stumpf in den MSCI World investiert.

Warren Buffet hat das so schön zusammengefasst:

„Beim Investieren korreliert Aktivität nicht mit Leistung.“

Nichtstun ist langweilig

Ein weiterer Grund dafür, dass wir anfangen zu handeln und aktiv zu werden ist, dass Inaktivität und Nichthandeln uninteressant sind. So kann ich bei meinen Spekulationen und Trades Kollegen davon erzählen, wie viel Gewinn ich mit einem einzigen Verkauf gemacht habe, welche Aktien gerade der neuste Hit sind und durch welche Aktien ich eine tolle Rendite erzielt habe.

Das kann man auch immer in Aktiengruppen erkennen, wo die neusten politischen Ereignisse (wie die Wahl von Donald Trump oder der Brexit) ausführlich diskutiert werden und welche Aktien dadurch am stärksten profitieren werden.

Wenn ich mit einem Sparplan passiv in die ganze Weltwirtschaft investiere und nur einmal im Jahr mein Portfolio rebalance, ist das nicht spannend. Nur einmal zu Beginn lege ich meine Portfoliostruktur fest und ziehe das dann auf Brechen und Biegen die nächsten Jahrzehnte durch. So ist es zumindest geplant, wenn ich es schaffe der Versuchung des aktiven Handelns zu widerstehen.

Nichtstun ist verpönt

Ich hatte es vorhin bereits angeschnitten und möchte es an dieser Stelle noch etwas weiter vertiefen. Inaktivität wird in den meisten Fällen negativer angesehen als falsches Handeln. Wir möchten nur ungerne schuld an einem negativen Ergebnis sein. Dabei wird falsches aktives Handeln in den allermeisten Fällen deutlicher positiver gesehen als nichts tun, auch wenn es potentiell die bessere Wahl gewesen wäre.

Das lässt sich insbesondere in den Medien und der Politik sehen. Wenn ein außergewöhnliches Ereignis passiert (wie zum Beispiel der Absturz eines Flugzeuges), stehen schon am nächsten Tag die Politiker vor der Presse und künden an, dass sich die Bestimmungen verschärfen werden, um ein solches Ereignis zu vermeiden. Häufig ist zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt, was die genaue Ursache des Absturzes ist und wie es verhindert werden kann.

Trotzdem wird kein Politiker vor die Presse treten und sagen, dass die vorhandenen gesetzlichen Regelungen bereits gut genug sind oder dass sie erst nach der Auswertung des Ereignisses handeln wollen. Leider gilt hier:

Lieber entschlossen irgendetwas machen, als gut nachgedacht inaktiv bleiben.

Die Entscheidung lieber nichts zu machen oder erst mal abzuwarten kann einfach nicht so gut öffentlichkeitswirksam präsentiert wird als eine Vorlage zur Verschärfung der aktuellen Gesetze.

Im Nachhinein kann man sich dann auf seine tollen Absichten berufen, dass man doch das Beste wollte und leider nur das falsche gemacht hat. Die Inaktivität wird einem hinterher nur negativ ausgelegt werden, dass man selbst hätte handeln müssen und durch das Nichthandeln an dem Ergebnis schuld sei.

Bist Du schon mal (beim Investieren oder in anderen Bereichen) dem Action Bias zum Opfer gefallen und was hast Du dagegen unternommen?


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2 thoughts on “Action Bias – Finanzieller passiver Erfolg durch Nichtstun (Gastbeitrag)

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