aktien crash

Eines Tages wird unsere lebenspendende Sonne die Erde mit einem Happen verschlingen. Nachdem sie für Millionen Jahre unser Dasein ermöglicht hat, wird sie uns zum Abendmahl schlucken. Alle Wissenschaftler sind sich dessen sicher, nur der genaue Zeitpunkt kann nicht genau vorher gesagt werden. Die gute Nachricht für uns Beide ist, dass wir dieses verglühende Spektakel nicht mehr erleben werden. Noch zirka fünf Milliarden Jahre haben wir bis dahin Zeit.

So wie unsere interstellare Heizung mit Sicherheit irgendwann versiegen wird, so ist es auch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit abzusehen, dass  sich die Märkte reinigen werden, deutlich ins Minus drehen, ja möglicherweise auch einen Crash erfahren. Ein Zurückschauen auf die letzten 100 Jahre zeigt, dass ein rücksetzender Crash normal ist und jeder Investor muss diesen Fakt mit in seine langfristige Planung einbeziehen. Ich möchte dir heute in diesem Beitrag (m)eine Strategie für dieses Ereignis beschreiben.

Vorneweg eine Warnung: Die im folgenden Beitrag beschriebene Strategie stellt keine Handlungsaufforderung für dich dar. Sie ist auch keine Garantie bestmöglich durch den nächsten Crash zu kommen. Es handelt sich um meine Gedanken und ein Nachstellen geschieht auf dein eigenes Risiko. Solltest du dadurch Gewinne realisieren können, dann freue ich mich für dich und du darfst ihn behalten. Bei Verlusten kannst du diesen auch behalten. Dein Risiko.




Die Standortbestimmung

Für mich ist eine sehr gute Diversifikation extrem wichtig. So habe ich mich vorneweg schon für einen drohenden Crash gerüstet indem ich nie mehr als die Hälfte meines Gesamtkapitals in risikoreiche Anlagen wie Aktien, ETFs und Co investiert habe. Sollten alle diese Investitionen ihren kompletten Wert verlieren, dann beträgt mein maximaler Verlust nie mehr als 50 Prozent. Damit gehe ich schon ein relativ hohes Risiko ein. Bis zu meinem Lebensabend werde ich dieses Risiko stückweise minimieren, indem ich in kleinen Schritten das Verhältnis zwischen Risiko und Sicher zugunsten der Sicherheit verschieben werde.

Weiterhin besitze ich schon ein gut zusammengemischtes Depot welches in sich auch diversifiziert ist (verschiedene Asettklassen, Länder, Branchen, …). Aktuell ist dieses Depot auch gemischt mit Dividendentiteln und Wertsteigerungsaktien. Meine Strategie hierfür ist „Buy and Hold“, die gekauften Werte durch alle Börsenzeiten zu halten. Das komplette Depot liegt derzeitig zwischen  20 und 22 Prozent im Plus.

Die Crash Szenarien

Wie eine Krankheit kann ein Crash sich verschieden stark gestalten. Dies kann ein kleinen Krabbeln im Hals sein, oder eine schwere Grippe. Auch die Auffassung ist verschieden. Ein Crash in deinen Augen, kann für mich möglicherweise einen Schluckauf bedeuten. Auch reagieren die einzelnen Wertpapiere auf die Märkte. Solltest du ein sehr gut zusammengestelltes Depot haben, dann muss ein um 50 Prozent fallender Weltindex für nicht dich bedeuten, dass dein Portfolio auch so stark fällt. Ich halte mich bei der Definition grob an folgende 3 Börsen Krankheiten:

Moderate Korrektur (siehe Jahr 2002)

Um die 35 Prozent Abschlag ist eine moderate Korrektur der Märkte und gehört für mich schon in die Definition eines (kleinen) Crashs.  2002 konnte die DotCom Kriese in einem Jahr diese negativen Prozente einfahren. Auf meine Portfoliostruktur würde ein solcher Kursverfall  Minus 6,12 Prozent bedeuten. Mit einem solchen Ereignis sollten wir aller paar Jahre rechnen.

Der Schwarze Schwan – 2008 (Immobilien Kriese)

Hier geht es schon 50 Prozent (und mehr) in den Keller. Viele werden sich noch an die Nachrichten dieser Zeit erinnern und die damit verbundene Immobilienkriese. Ein solcher wiederkehrender Crash  drückt mein Gesamtvermögen um 12,67 Prozent. Und hier hoffe ich, dass ein solcher Schwan sich nicht so oft sehen lässt.

Der schlimmste bisher dagewesene Crash – Die große Depression (1929)

Ganze 89,2 Prozent fielen die Kurse und das ist dann ein durchschlagender Crash. Sollte ich dieses schlimmste bisher dagewesene Szenario in meine Kalkulation einbeziehen, dann hat dies eine Auswirkung von Minus 29,79 Prozent auf mein komplettes Vermögen. Das ist dann ärgerlich, doch stehe ich dazu, dass ich auch damit rechnen muss. Egal was passieren wird, mir bleiben über 70 Prozent.

risiko depot

Die Tabelle zeigt dir in der Übersicht alle drei Crash Arten und welche Auswirkungen ich mir bewusst bin. Egal wie aktiv du investierst, die sicheren Anlagen sind unverzichtbar. Solltest du fleißig in Aktien oder andere Risikotitel investiert haben, dann überprüfe wie viel du noch übrig hast, wenn deine Risikoanlagen gar nichts mehr wert sind! Einzig eine „Mega Inflation“ kommt noch hinzu, dann bleibt mir nur noch mein Humankapital und ein wenig Silber und Gold (schmunzel).

Die aktuelle Situation gibt mir Spielraum mein Experiment zu starten. Bevor wir dazu kommen, empfehle ich dir dich auch anderweitig im Bereich Aktien und ETFs weiterzubilden. Eine Diversifikation deines Wissen kann dabei nicht schaden. 5 Tipps habe ich dazu:

Das Experiment

Schon lange brodelte es in meinen Gedanken, ob ich nicht bewusst so investieren kann, dass ich keine Angst vor einen Crash haben brauch und ihn im besten Fall für mich nutzen kann. Darunter stelle ich mir vor einen Wert ins Depot zu legen und auf einen Crash zu warten. Wenn der erhoffte Kursverfall nicht eintritt, dann kann es passieren, dass ich mit diesem Wert in den nächsten Jahren Plus mache. So funktioniert das Experiment nicht wirklich, doch das nehme ich dann in Kauf, wenn ich dann einen hochperformanten Wert habe.

Sollte es doch zu einem stärker fallenden Markt kommen, dann ist die Strategie folgende:

  • Jedes Mal wenn der Kurswert zehn Prozent tiefer als der ursprüngliche Kaufkurs ist, dann kaufe ich genau im Wert des Kaufbetrages nach – ich verbillige meine Investition

Angenommen ich investiere 2000 Euro und der Kurs fällt um 10 Prozent. Dann werde ich weitere 2000 Euro in den gleichen Wert füttern. So halbiert sich mein Verlust und meine Investitionssumme verdoppelt sich. Fällt der Kurs um noch weitere 10 Prozent wiederhole ich diesen Schritt und investiere wieder 2000 Euro. Somit wird der Kurs weiter verbilligt und die Investitionssumme erhöht.

Sollte es nun beispielsweise zu einem Szenario wie 2008 kommen, so kaufe ich insgesamt fünf Mal nach, welches einem Börsencrash von 50 Prozent entspricht. Natürlich muss ich dann leider auch noch mal fünf mal 2000 Euro investieren, insgesamt 12.000 Euro. Hierbei schichte ich sichere Anlage in risikoreiche Werte um. Geld, welches auf guten Tagesgeld verweilt wird bei immer schlechter werdenden Kursen antizyklisch investiert.  Sollte jedoch der Kurs wieder auf den ursprünglichen Wert kommen, dann habe ich mit dieser Investitionsstrategie 40,9 Prozent Profit gemacht, also 4912.70 Euro.

15K Crash Experiment

In dieser Übersicht ist dieses Szenario in Grün dargestellt. Du kannst sehen, dass wenn sich der Kurs halbiert hat (50 Euro) und dann zukünftig wieder auf den Einstiegskurs von 100 Euro steigt mein Gewinn bei 40,9 Prozent liegt. Für den Fall, dass der Kurs dann in Zukunft auf 120 Euro steigt, kann ich mich auf ein Plus von 69,1 Prozent freuen. Die rote Linie zeigt dir die Situation nach einem HammerCrash bei den sich der Markt 80 Prozent ins Minus dreht. Sollte die Strategie bis zu diesem Punkt begleitet werden, dann kann ich mich über 114,3 Prozent Gewinn freuen, wenn der Einstiegskurs wieder erreicht ist.

Durch das ständige Verbilligen minimiere ich den Einkaufspreis so lange bis sich der Markt bzw. dein Wert dreht. Dann heißt es warten und Gewinne einfahren. So einfach kann es sein.

Wie gehe ich dabei vor?

Der erste Schritt ist der schwierigste in dieser Strategie. Ein Investment zu finden, welches mir dieses Experiment wert ist, gestaltet sich zur Gewissensfrage. In einen einzelnen Aktienwert zu investieren kommt nicht in Frage. Dafür ist das Risiko zu hoch. Diese Strategie auf Nokia vor einigen Jahren angewendet, hätte mich unglücklich gemacht. Meine Gedanken gehen in Richtung ETF. Am besten einen weltumspannenden indexabbildenden ETF mit Ausschüttung.  Ein Börsencrash bildet sich somit auf den ETF ab und ich kann unkompliziert und per Mausklick kaufen.

Ist der ETF gefunden, wird er gekauft. Ich brauche nicht auf einen günstigen Moment zu warten, da nur zwei Dinge passieren können.

  • der Wert steigt – soll mir recht sein, dann freue ich mich direkt über Kursgewinne
  • der Wert fällt – auch gut, dann beginnt mein Experiment

Ich kann nur erfolgreich sein. Vorsichtiger Optimismus macht sich in mir breit (schmunzel).

Ist der Wert gekauft, dann platziere ich eine weitere Order welche automatisch kauft, wenn der Kurs 10 Prozent niedriger ist. Und nun heißt es sich zurück lehnen. Sollte der Kurs danach wieder auf 100 Prozent steigen, dann bedeutet es 5,6 Prozent Gewinn.

18K Experiment

Und fällt er weiter, dann heißt es weiter billig(er) einkaufen. Einfaches System, nicht wahr?

Sollte sich der Kurs gar nicht bewegen, eher auf der Stelle treten, dann sacke ich einfach die Ausschüttungen ein und genieße mein kleines passives extra Einkommen.

Ich denke mal dieses System hat bestimmt schon einen Namen und ich bin nicht der erste Mensch, der in diese Richtung denkt. Ich nenne es „Mein 18.000 Euro Experiment“.

Vorteile:

  • der Einstiegskurs ist relativ egal
  • eine klare und einfache Investitionsstrategie
  • da sich die Märkte über die Jahre immer wieder nach einem Crash erholen, ist diese Strategie recht sicher – könnte nur ein „wenig“ Zeit brauchen
  • ist der Einstiegskurs nach einem Rücksetzer erreicht, können schon Gewinne mitgenommen werden
  • automatisiert möglich, da der nächste Kauf jeweils eine Order platziert werden kann und nicht ständig der Kurs kontrolliert werden muss
  • bei einer Seitwärtsentwicklung gibt es regelmäßige Dividende

Nachteile:

  • immer Rücklagen für den nächsten Crash oder Rücksetzer benötigt -> diese könnten wenn es lange nicht crasht besser investiert werden
  • nicht jeder Mensch kann mit der Strategie verbilligen umgehen

In welchen ETF soll ich investieren? Diese finale Frage habe ich noch nicht für mich beantwortet, da mein Depot schon ganz schön „voll“ ist. Sehr wahrscheinlich wird es ein MSCI World, da hier die Diversifikation am größten ist und ich auch was vom Crash abbekomme (lach).

Im März, spätestens April, werde ich die Strategie starten und halte dich natürlich hier im Blog auf dem Laufenden. Hast du auch eine eigene Strategie, die du verfolgst bzw. die dich vor einem Crash absichern soll? Dann hinterlasse unten einen Kommentar.

Maximale Erfolge wünscht dir

Christian


Passend zum Thema sehr interessant „Crash – Literatur“ für dich:

7 thoughts on “Finanzielle Freiheit: Sicher durch den Crash? – Das 18K Experiment

    1. Hi Chris,

      wie meinst du das genau? Es gibt verschiedene Faktoren, die Geld kosten können. Natürlich sind Investitionen vom Crash auch betroffen, doch kaufe ich in regelmäßigen Abständen billiger ein bis sich der Crash ins Positive dreht. Durch das Verbilligen komme ich insgesamt gesehen eher ins Plus, als wenn ich jetzt nur einmal kaufe und den Crash aussitze.

      Vielen Dank für deinen Kommentar

      Christian

  1. Ich würde tatsächlich den MSCI World nutzen. Dürfte für deine Strategie doch perfekt sein. Da nimmst du doch den Markt, um alle Einzelfaktoren bereinigt, mit. Das System an sich ist interessant. Aber da muss man schon ein dickes Fell haben. Bei jedem 10%-Rutscher nochmal eine Schippe hinterher zu werfen. Ungewöhnlich. Aber ich glaube, das ist genau das was das System so interessant macht. Du machst genau das Gegenteil von den anderen… 😉 Ich bin gespannt!!!

    1. Ich bin auch gespannt. Ich bin noch am schauen welchen MSCI World ich nehme, also aktuell liebäugle ich mit dem A1XEY2. Ich brauche unbedingt einen, den ich noch nicht habe, damit das Exprimiert nicht verwässert wird. Von der Strategie bin ich mir recht sicher, es ist nur eine Frage der Zeit wann die jetzigen Kurse wieder erreicht werden. Das kann nach einem Crash von drei bis 20 Jahre dauern. Also ein dickes und langes Fell brauche ich dabei.

      Dir weiterhin auch viel Erfolg

      Christian

  2. Hi,
    ich finde diese Idee super, denn ich hatte sie auch 🙂
    Allerdings habe ich vor dieses Vorgehen auf mein gesamtes Aktien Depot anzuwenden. Das heißt jedes Mal wenn das Depot 10% fällt, erhöhe ich meine Aktienquote z. B. von 30% auf 40%. Das wäre dann eine Art von verstärktem Rebalancing.
    Die Probleme hast du ja schon angesprochen: mögliche Oppurtunitätskosten und die Psychologie. Mal sehen ob ich es tatsächlich schaffe das durchzuziehen.

  3. Hallo Christian,

    interessante Idee für den langfristig orientierten Investor. Kann man natürlich nicht auf das Gesamtportfolio anwenden.
    Zwei Anmerkungen:
    1) Hast du auch mal ein paar bad cases betrachtet? Also was passiert, wenn der Kurs nicht mehr auf 100 € ansteigt, sondern vielleicht bei 50 oder 75 € verbleibt.
    2) Du kannst doch auch einen schon in deinem Portfolio befindlichen ETF nehmen und dein Experiment in Excel tracken.

    Viele Grüße,
    Mathias

    1. Hallo Mathias,

      angenommen der Kurs bleibt bei 50 Euro, dann liege ich erst mal „nur“ bei einem Verlust von 30 Prozent. Ein Investition des ganzen Geldes zum jetzigen Zeitpunkt läge dann schon bei Minus 50 Prozent. Sollten die Ausschüttungen auf jetzigen Niveau bleiben, dann wären das immerhin noch zwischen 200 – 300 Euro Ausschüttungen pro Jahr, wenn ich nichts am Experiment ändere. Ich denke jedoch nicht, dass auf langer Sicht ( 10 – 20 Jahre) der Einstiegstkurs nicht mehr erreicht wird. Der ETF umfasst Unternehmen, welche stark an einem Umsatz und Gewinnwachstum interessiert sind.

      Zu 2.) Ich trenne das lieber, da ich Experiment und meine restlichen Investitionen einzeln betrachten möchte. Wäre jedoch auch eine Möglichkeit es zusammen zu fassen.

      Viele Grüße zurück

      Christian

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