Jeder Mensch betrachtet Minimalismus anders, kein Thema ist so subjektiv und sorgt für so große Diskussionen in meinem Bekanntenkreis. Menschen, die sich damit noch nicht wirklich beschäftigen, bekommen Angst und denken an ein spartanisches armes Leben. Verglichen mit eine Gefängniszelle, vier Wände, einer Bank, einer Toilette und einen Waschbecken. Sie denken an Verzicht und eine eingeschränkte Lebensweise und verbinden diese Gedanken mit „Schmerz“. Minimalisten hingegen berichten von mehr Freiheit, Lebensgefühl, Freude und Unabhängigkeit. Fast schon ein wenig Paradies. Doch wo liegt die Wahrheit zwischen Knast und Paradies?

Bestandsaufnahme

Unser derzeitiges Dasein kannst du dir ein wenig wie eine Komprimierung vorstellen. Verdichten ist hier deutsches Wort. Wir verdichten so viel, dass an vielen Stellen unseres Lebens unnötig Druck entsteht.

  • Eine Wohnung, die zum Großteil mit Gegenständen gefüllt ist, welche nicht gebraucht werden ist ein Resultat. Im Durchschnitt besitzt jeder Deutsche 10000 Gegenstände in seiner Wohnung. Vor nicht mal Jahren waren es ein Zehntel davon.
  • Auch unsere Zeit verdichten wir, bis nur noch sehr wenig übrig ist. Viele technische Errungenschaften sparen uns Zeit ein, die sofort wieder ver(sch)wendet wird. Zum Beispiel hilft uns die verbesserte Mobilität größere Strecken in einen Bruchteil der Zeit zu meistern. Doch die gesparte Zeit nutzen wir um noch mehr Strecken bzw. weiter zu reisen.
  • Auch die Frequenz des Informationskonsums wird immer höher. Briefe wurden ersetzt durch Instant Messanger und anstatt das zu genießen, erhöhen wir auch hier die Quantität. Immer mehr Nachrichten mit immer weniger echtem Informationsgehalt sind täglich unterwegs. Früher sendete man Nachrichten um seinen Empfänger zu würdigen, heute postet man um nach Würdigung und Likes zu hecheln. Dieses Streben bedeutet mehr Unterbrechungen des Alltags. Eine längere Konzentration auf eine Aufgabe ist nicht mehr möglich, oder fällt schwer.

Die Quantität steigt und die Qualität leidet. In allen Bereichen erhöht sich die Frequenz und das Leben wird gepresst bis zum platzen. Mehr Nachrichten, weiter reisen, mehr essen, mehr unternehmen, mehr kaufen, mehr Geld, mehr arbeiten … alles wird mehr und wir leben im Überfluss. So können wir nicht mehr alles bewusst nutzen und genießen. Die technischen und zivilen Errungenschaften der letzten Jahre sind gigantisch und erleichtern unser Leben. Und was bleibt übrig?

Die Menschen sind bequem geworden. Nicht mal für die elementaren Dinge des Lebens ist Zeit übrig. Es ist wichtiger auf einer Pinnwand zu klicken, als sich zu Entspannen oder ein Buch zu lesen, was einen weiter bringt. Das Ergebnis ist bei einigen Menschen das Burnout. Ein Zustand der zeigt, dass die Schlagzahl zu hoch ist.

Einige Regeln des Minimalismuses

Es gibt einige Gesetze, auf denen mein Minimalismusdenken aufbaut.

Je mehr Sachen du besitzt, desto weniger Zeit hast du

Jeder materielle Besitz verbraucht deine Zeit. Erst einmal möchte er gekauft / besorgt werden. Die Wartung benötigt zusätzlich Zeit, genauso wie Entsorgung. Viele Menschen unterschätzen dieses einfache Prinzip. Es sind meist nur kleine Zeiteinheiten, dennoch addieren sie sich gewaltig.

Jeder Gegenstand braucht Platz

Kennst du die tollen Werbeprospekte von den Kücheneinrichtungsstudios oder Möbelhäusern? Irgendwie sieht es da immer besser aus als im realen Leben. Gib einfach mal bei google in der Bildersuche „Traumküche“ ein. Die Bilder zeigen immer sehr leere und aufgeräumte Küchen. Dennoch wirken sie auf die meisten Menschen „besser“. Und genau diesen Effekt habe ich bei mir feststellen können. Weniger Gegenstände lenken das Auge nicht so stark ab und verschaffen mir ein gutes Gefühl. Eine kleine Wohnung wirkt größer, wenn sie minimalistischer eingerichtet ist, als eine große vollgestopfte Wohnung.

Je weniger Dinge du besitzt, desto mehr Geld hast Du

Kontrollierter Konsum und Konzentration auf das Wesentliche automatisch sorgen dafür, dass am Monatsende mehr Geld übrig ist. Einige meiner Bekannten und Verwandten leben derzeitig auch in die minimalistische Richtung. Sie sind extrem überrascht, wie viel Geld über bleiben kann. Zusätzlich ärgern sie sich, dass nicht schon eher begonnen wurde so zu leben. Am Ende des Jahres bleiben oft vierstellige Beträge über.

Je mehr Geld du hast, desto mehr Zeit hast du

Geld kann in Zeit verwandelt werden. Auf die verschiedensten Arten. Anlehnend an den Buchklassiker „Der reichste Mann von Babylon“ kannst du leicht mindestens 10% deiner Einkünfte sparen ohne Verzicht zu fühlen. Mehr Geld bedeutet, dass du früher in Rente gehen kannst. Oder stell dir einfach mal vor, du schaffst es mit 20% weniger Geld zu wirtschaften. Das bedeutet, einen Tag weniger arbeiten pro Woche. 52 Tage mehr frei pro Jahr. Nach 35 Arbeitsjahren hast hat du 8 Jahre weniger Arbeiten müssen. Unterschätze niemals die Macht des eingesparten Geldes in Zeit!

Je weniger Dinge du besitzt, desto besser nutzt du sie

Da ich sehr oft frisches Essen zubereite, hatte meine Mikrowelle nicht wirklich viel zu tun. Nachdem sie kaputt ging, habe ich mir keine neue angeschafft. Ich nutze dafür mehr den Herd oder wärme mein Essen in einer Pfanne auf. Ich habe zum Beispiel nicht mehr so viele Sachen in meiner Küche wie Frühe, nutzte sie dafür ständig.

Weniger Dinge bedeutet, weniger Kosten

Die meisten Sachen sind mit Folgekosten verbunden.

Je mehr Zeit, desto mehr entwickelst du dich weiter

Du wirst bei einer einfacheren Lebensweise sehr schnell Zeit übrig haben. Und diese Zeit kannst du prima nutzen um dich weiterzuentwickeln und für eine gute Lebensweise. Bücher Lesen, Sport treiben, Meditieren, Entspannen, Kreativ werden, … nur einige Beispiele. Hätte ich meinen Lebensstil nicht umgestellt, dann würde ich nicht hier mit dem Laptop in der Sonne sitzen, meine Lieblingsmusik hören und diesen Beitrag schreiben. Ganz in Ruhe und in guter Konzentration. Dafür lasse ich gern die Werbeprospekte, Facebook und WhatsApp links liegen.




 

Mein Minimalismus 2016

Meine Definition von Minimalismus ist es, nur die Dinge zu besitzen, die wirklich gebraucht werden. Und nur die Sachen zu machen, die ich auch wirklich nur machen möchte. Für mich geht es nicht darum Gegenstände zu zählen.

Ich habe über die letzten Jahre gemerkt, dass sehr viele meiner Besitztümer nur rumstehen. Aller 1-2 Jahre benutzt, doch standen sie rum. Sie störten beim Aufräumen, mussten abgestaubt werden, hat praktisch keine Funktion 99% ihrer Zeit. Also Müll. Ich wollte nicht noch mehr davon. Mein Minimalismusgedanke war zu Beginn nicht, dass ich wie verrückt entsorgte. Ich wollte langsam etwas ändern, und das Ziel war es erst mal nicht noch mehr in meine Wohnung zu stopfen. Ich fing an nur noch neu zu kaufen, wenn ich dadurch ein gebrauchtes Teil ersetzen konnte. So dass sich die Anzahl der genutzten Gegenstände in der Wohnung nicht erhöhen konnte. Es ist schon seltsam keine neue Jeans mehr zu kaufen, weil ich noch keine Entsorgt hatte.

Anschließend fing ich dann an zu entsorgen. Besonders alte (computer)zeitschriften, die sich in verschiedenen Ecken stapelten mussten zuerst dran glauben. Mehrere hundert Euro hatten diese früher gekostet, und es fiel mir doch nicht leicht sie einfach wegzuwerfen. Die Freude über den gewonnenen Platz war dann doch größer. Weiter ging es mit Büchern und CDs. Beim Flohmarkt konnte ich einen Haufen nicht mehr benötigter Sachen loswerden. Gefolgt von Ebay Kleinanzeigen oder dem einfachen Verschenken an Freunden und Bekannten.

Ich konnte alle meine Musik und meine Filme verkaufen. Über Rebuy und Co ist das heutzutage sehr einfach. Alles mit dem Smartphone scannen, in eine Kiste und versenden. Ein paar Tage später gibt’s dafür noch Geld und fertig. Es gibt’s zwar keine CDs und DVDs mehr in meiner Wohnung, dennoch habe ich Zugriff auf alle Musik dieser Welt mit Napster. Für Filme nutze und Maxdome, Netflix und Co. Falls du regelmäßig bei Amazon bestellst, und noch kein Prime Mitglied bist, dann teste es unbedingt mal. Hier bekommst du so viel Musik und Film, dass du keine Datenträger mehr kaufen muss. Falls du diese Varianten testen möchtest, dann nutze folgende Links um zu Testen:

Auf jeden Fall wurde meine Wohnung immer leerer und ich fühlte mich besser … freier. Auch der Drang immer was Neues haben zu wollen verschwand. Das Resultat aus allem war mehr Platz, mehr Zeit, weniger Ausgaben und mehr finanzielle Ressourcen. Tolle Sache. Ich bin noch weit davon entfernt minimalistisch zu leben, doch der Weg bisher hat mir mehr gebracht als so manches kurzfristige Kaufs Glücksgefühl.

Die Kommunikationsdiät

Dieses Thema möchte ich unbedingt mit meinem Minimalismus verbinden. Dinge die ein Minimalist meistens besitzt sind PC, Handy und ein weg ins Internet. Hier bürgt sich eine große Gefahr. Der Kommunikationsmaximalisums. Immer erreichbar, auf jede Nachricht direkt antworten und nichts verpassen zu wollen. Das frisst deine Lebenszeit nur so auf und macht im schlimmsten Falle auch krank.

Ich habe mir angewöhnt auch hier kräftig zu entsorgen. Der größte Zeitgewinn war der Ausstieg aus Facebook. Nicht einfach, da es eine fest in mir verwurzelte Gewohnheit war täglich mehrmals doch nach Nachrichten zu schauen. Kurz bevor ich aus Facebook ausgestiegen bin, habe ich bewusst die Zeiten registriert, die ich verliere beim Bilder schauen, Kommentare lesen und schreiben und mehr oder weniger sinnfreie Nachrichten zu schreiben. Zuviel Zeit – ich musste raus.

Auch die anderen Medien habe ich verschlankt. Im WhatsApp antworte ich niemals auf Spaßbilder oder weitergeleitete Lebensweisheiten. Oftmals lösche ich sie bevor ich sie lese und Gedanken daran verschwende. Meistens schaue ich morgens und abends einmal in die Nachrichten und Gruppen und beantworte die wichtigsten Sachen. Der Zeitaufwand beschränkt sich auf 5 Minuten. Und hier habe ich nicht das Gefühl was zu verpassen oder mehr antworten zu müssen. Die klassischen Mails und SMS behandle ich genauso.

Es lassen sich dadurch jeden Tag Stunden sparen, Stunden an Lebenszeit. Somit kommuniziere ich Minimal und auch dies macht mich freier. Wichtige Dinge bespreche ich lieber beim Telefonat oder persönlich.



Eine neue Lebensqualität

Sich von Gegenständen zu lösen und nicht unnötig zu kommunizieren, gibt mir eine neue Lebensqualität. Dadurch kommt mehr Zeit in mein Leben. Zeit um gute Bücher zu lesen, um bewusst die Natur zu genießen, um Sport zu machen, um sich kulinarisch auszuprobieren und für all die schönen Sachen des Lebens. Auch Zeit um sich um den www.selbst-schuld.com Blog zu kümmern. Das mache ich unwahrscheinlich gern.

Eine ganz interessante Sache habe ich auch festgestellt. Diese einfachere Lebensweise sorgt dafür, dass ich selbst viel ruhiger geworden bin. Das Wort Stress schafft es nicht mehr in mein Leben. Auch mein Selbstbewusstsein wird täglich dadurch gestärkt. Ich bin mir selbst mehr bewusst. Es tut einfach gut einfach zu sein. Zum Schluss möchte ich dir noch ein paar einfache Tipps zum Thema geben.

Meine Minimalismus Tipps

  • Bevor du etwas kaufst, überlege ob du es wirklich brauchst und dann auch nutzen wirst. Viele Dinge bleiben nach kurzer Zeit unbenutzt. Warum in dem Fall nicht einfach mal (ver)borgen oder (ver)mieten?
  • Kaufe erst Ersatz, wenn du den alten Gegenstand entsorgt hast
  • Kaufe nachhaltig. Achte auf gute Qualität des Produktes und faire Produktionsbedingungen
  • Lerne es Sachen zu verschenken und Freude dabei zu haben
  • Trenne dich regelmäßig von Dingen. Jeden Tag ein Gegenstand weniger ist nicht schwer und befreit
  • Lege dir eine Kiste der Erinnerungen an
  • Sage deinen Geburtstagsgästen, dass du keine Geschenke haben möchtest. Wenn die Gäste was schenken wollen, dann lasse sie teilnehmen an der Gestaltung der Feier. Oder lass dir Geld schenken, welches du dann für einen guten Zweck nutzt
  • Reduziere dein Kommunikationsvolumen auf die Sachen, die WIRKLICH wichtig sind und kommuniziere real
  • Lass dich nicht verWERBEN. Werf die wöchtenlichen Werbeprospekte direkt in den Müll und lasse es nicht zu, dass ein Werbeblock im Fernsehen dir Lebenszeit nimmt. Am besten minimierst du dazu deinen TV Konsum
  • Befördere dich minimalistischer. Gehe mehr zu Fuß und nutze das Fahrrad

Das sind meine aktuellen Grundsätze. Natürlich gibt es noch viele mehr. Eine sehr gute Seite im Internet zum Minimalismus ist www.einfachbewusst.de. Weiterhin sind folgende Bücher für dieses Thema sehr lesenswert.

 

Ich hoffe, dass ich dir einen Einblick in „meinen“ Minimalismus geben konnte. Was denkst du über das Thema? Hinterlasse es einfach im Kommentar.

Christian

2 thoughts on “Minimalismus Tipps: zwischen Knast und Paradies – so sieht mein Minimalismus 2016 aus

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