umgang-mit-alten-menschen

Ich kann mich erinnern, als ich früher im Supermarkt gebremst wurde, weil wieder Entschleunigungshindernisse im fortgeschrittenen den Rentenalter in den Gängen verteilt waren. Auf den ersten Blick standen sie nur rum und hatten nichts zu tun. Ich hingegen hatte es eilig, ich hielt mich für wichtig, ich arbeitete für dessen Rente und sie stehen einfach nur rum und hindern mich. So waren damals meine Gedanken und heute muss ich mich dafür nachträglich schämen. Ich hielt mich für das wichtigste in der Welt, vergaß das allerwichtigste. Diese Entschleuniger in den Gängen sind die Menschen, vor denen ich den allergrößten Respekt haben sollte. Sie haben den Krieg erlebt, das Land aufgebaut und Generationen zur Welt gebracht, ohne die es meine Generation nicht geben würde. Sie tragen so viel Lebenserfahrung, dass es schwer fällt schnell zu laufen.

Ich möchte mit dem Beitrag etwas Gutes für diese Menschen tun. Und hilfst du  mir dabei? Wenn du ein paar kleine Dinge im Umgang mit den Lebenserfahrungsträgen beachtest, wirst du deren Lebensabend viel angenehmer gestalten und Gutes tun, Gutes, das du die später auch wünscht. Fängst du damit nicht an, dann endest du später auch als missachteter Stopper. Vorneweg möchte ich schreiben, dass die folgenden Tipps auf meine persönlichen Erfahrungen basieren, nicht 1:1 auf alle alten Menschen anwendbar sind. Dafür sind sie in ihrer Vielfalt des Älterwerdens zu verschieden. Die folgenden 7 Prinzipien

  • Zeige ihnen, dass sie normal sind und akzeptiert werden
  • Helfe ihnen, aber nicht komplett
  • Gebe ihnen eine Aufgabe
  • Mache das Alter zu etwas Normalen
  • Sage ihnen nicht, was sie falsch machen
  • Der nächste Frühling wird der schönste
  • Nutze die Zeit, wenn sie da ist

gelten für alle Menschen, dennoch finde ich, dass sie im Umgang mit der alten Generation um ein vielfaches wertvoller sind. Los geht’s

Zeige ihnen, dass sie normal sind

So einfach und doch so schwer für manche Mitbürger. Du möchtest doch auch in allen Lebenslagen normal behandelt werden und akzeptiert sein, oder? Ein Außenseiter möchte Keiner sein, doch werden die alten Menschen schnell dazu gemacht. Besonders wenn Jemand entgegnet: „Die müssen doch nicht mehr arbeiten, die haben doch viel Zeit.“, finde ich diese Aussage als respektlos. Jeder von uns hat ein Leben und da ist es doch gleich an welcher Stelle des Lebens der Mensch steht. Er sollte immer akzeptiert werden, und vor allem normal behandelt werden.

So normal es nur geht. Natürlich musst du auch mal lauter sprechen, weil die Ohren nicht mehr die besten sind. Auch kann es vorkommen, dass du einige Sachen öfter erklären musst, bis sie verstanden werden. Rede mit ihnen, interessiere dich für sie, hilf ihnen, nimm dir Zeit für sie … behandle sie ganz normal. Schau nicht weg!  Versuche ihre Ängste zu verstehen. Es gibt Menschen, denen es schwer fällt mit behinderten Menschen umzugehen und genau so geht es einigen Mitmenschen mit „den Alten“.  Halte dir an der Stelle immer wieder vor Augen, dass sie normal sind. Auch wenn sie humpeln, schwer hören oder eine Windel tragen müssen.




Helfe ihnen, aber nicht komplett

Ein alter Mensch möchte nicht, dass man alles für ihn erledigt. Sich um ihn zu kümmern, so dass er sich nur noch in den Fernsehsessel setzt und sich berieseln lässt, das macht ihn kranker. Jeden Tag wird er mit seinen Grenzen konfrontiert, Dinge die er nicht mehr schafft. Kümmerst du dich dann um Sachen, die er noch schaffen könnte und will, dann nimmst du ihn ein Stück Leben. So wie du am Ende des Tages zufrieden bist, wenn du was geschafft hast, so braucht es der alte Mensch. Zu entscheiden ob du hilfst oder nicht, ist eine Verantwortungsvolle Entscheidung. Zu viel Hilfe lässt ihn sich unnütz und auch als Belastung empfinden, zu wenig hingegen zeigt die Grenzen sehr stark auf und demotiviert.

Meine Oma wird 90 Jahre alt und ist somit im betreuungswürdigen Alter, lebt jedoch noch mit im Haus und tut und macht was sie nur kann. Essen Kochen fällt ihr mittlerweile schwerer, da die ganzen Gerichte von Früher (Braten, Gulasch, …) zu komplex für sie werden. Kartoffeln kochen bekommt sie mit links hin, auch wenn sie 1-2 Mal im Monat anbrennen. Und so helfe ich ihr beim Essen kochen. Ich kümmere mich um den komplizierteren Teil und Oma macht die Kartoffeln. Das hat zur Folge, dass sie in ihrer kleinen Rentnerclique und bei Verwandten immer stolz erzählen kann :“Das Mittag mache ich mir selbst.“. Darauf ist sie sehr stolz und sie fühlt sich nicht so „alt“, wie jemand, der sein Essen gern selbst machen möchte, es aber nicht „darf“ und immer vorgesetzt bekommt. Ich finde es ist wichtig die goldene Generation immer mit einzubinden, solang sie noch kann und möchte.

Gebe ihnen eine Aufgabe

Gebraucht zu werden, ist ein wichtiges elementares Gefühl eines Jeden von uns. Mir geht es jedenfalls so. Ich bin immer überglücklich, wenn ich mit meinem Tun und Wissen Gutes vollbringen kann, Anderen helfen. Was mir gut tut, wird auch andere Menschen bereichern. Meiner Meinung nach ist es essentiell wichtig, dass jeder Mensch diese Aufgaben hat. Dazu gehört die Bewältigung von leichten Arbeiten genauso wie die Möglichkeit eigene Ansprüche zu erfüllen.

Ein paar Jahre nach dem Renteneintritt kann das „NichtMehrGebrauchtWerden“ zermürben. Aus einem Mensch kann ein Gegenstand werden, der nur noch rumsteht bis er entsorgt wird. Ich weiß es klingt hart, doch gehört zum Feuer des Lebens auch das „Gebraucht werden“ dazu. Besonders wenn auf dem Dorf ein alter Mensch schon viele seiner Generation überlebt hat, einsam ist, dann ist das letzte was er gebrauchen kann Ziellosigkeit.

Ich gehe mal wieder auf meine Situation ein. Die Tatsache mir täglich das Hoftor zu öffnen, wenn ich von der Arbeit komme, macht Oma glücklich und lässt sich gebraucht fühlen. Ich glaube die Nachbarn denken oftmals: “Ist das ein fauler Enkel. Er lässt sich immer die Tür aufmachen von einer fast 90 jährigen Frau.“. Doch steckt dahinter mehr Sinn, als viele denken. Auch freue ich mich jedes Mal wenn ich ein Loch im Strumpf habe. Nicht das ich genügend andere Paare habe, oder ich mir kein neues kaufen könnte, nein ich gebe es Oma und frage ob sie das Loch stopfen kann. Wie früher. Sie liebt diese Aufgabe Besonders an langen dunklen Wintertagen. Anschließend bekomme ich voller Stolz das Ergebnis präsentiert und die Freude des gebraucht werden. Natürlich ziehe ich diese Socken dann an, selbst wenn Kollegen oder Freunde darüber ein wenig schmunzeln. Dieses gestopfte Loch ist pure Medizin.

Mache das Alter zu etwas Normalen

Alte Menschen betrachten das Alter manchmal als etwas Schlechtes, eine Art Krankheit. Ich kann dies gut verstehen und nachvollziehen. In den hohen Jahren gibt es doch einige Dinge, die nicht mehr umsetzbar sind. Schlechter sehen auf der einen Seite, nicht mehr Fahrrad fahren können auf der anderen Seite. Viele Dinge, die früher alltäglich und einfach waren, werden zu Erinnerungen und nicht mehr zu erfüllbaren Wünschen. Das zermürbt, und im gleichen Atemzug sehen alte Menschen viele Jüngere, denen alles noch möglich ist.

Einige Menschen können damit gut umgehen, einige benötigen hierbei deine Hilfe. Es geht jetzt nicht darum ein Dreirad zu kaufen und sie damit fahren zu lassen. Deine Aufgabe ist es ihnen schonend beizubringen, dass es in diesem würdevollen Alter normal ist so zu sein. Man muss nicht mehr alles können und Keiner verlangt dies. Ich habe immer das Gefühl, dass sich selbst unter Druck gesetzt wird, weil man denkt, die Welt da draußen erwartet bestimmte Sachen.

„Es ist normal, dass du in dem Alter nicht mehr so gut gucken kannst wie ein junger Mensch.“ Ist ein typischer Satz, ein einfaches Beispiel für die Bestätigung des Alters. Besser noch, als zu sagen was man nicht mehr kann ist aufzuzählen, was noch geht. Meine Oma ist doch schon sehr eingeschränkt auf verschiedenen Gebieten. Langsamer, Vergesslicher, Ängstlicher … doch erzähle ich ihr immer was sie noch kann, Dinge die  in ihrem Alter nicht selbstverständlich sind. Immer wenn sie trauriger ist und sagt:“Ich vergesse immer mehr und kann dies oder Jenes nicht mehr. „, dann entgegne ich ihr alle Sachen die sich noch kann:“Du kannst dich um dich selbst kümmern, kannst noch lesen und schreiben und obwohl du kein Fahrrad fahren mehr kannst, läufst du noch ohne Probleme und Rollator.“. Wenn du einem alten Menschen erzählst, was er alles noch kann und dass du dich darüber freust, beeindruckt bist, dann ist dies eine sehr gute Motivation. Schließlich gibt es genug andere Menschen in dem Alter, denen es nicht so gut geht.

Sage ihnen nicht zu oft, was sie falsch machen

Ab einem gewissen Alter passieren aktiven Menschen mehr Fehler. Und den größten, den du machen kannst ist es diese Fehler dauernd vorzuhalten und versuchen zu berichtigen. Wenn du ständig sagst, was falsch gemacht wurde, dann demotiviert das diese Generation. Sie haben Angst etwas nicht richtig zu machen, und indem du ihnen alles aufzählst was falsch läuft, fütterst du diese Ängste.

Sage lieber was sie beim nächsten Mal (etwas) besser machen können, anstatt gleich mit der Fehlerkeule zu kommen. Und wenn sie selbst merken, dass etwas falsch gemacht wurde, dann sage ihnen, dass es nicht so schlimm ist. In den meisten Fällen ist es das auch. „Das ist doch nicht so schlimm.“ oder „Es ist alles OK.“ sind gute Angst vertreibende Worte. Und wer auf dieser Welt Fehler macht, der macht wenigstens etwas, oder?

Der nächste Frühling wird der schönste

Alle Menschen, besonders die Alten, brauchen einen „Event“, welchen sie noch erleben wollen. Wenn das Leben dem Ende zugeht, dann fehlt oftmals dieser „Event“ zu dem es sich lohnt, freudig in die Zukunft zu blicken. Es fehlt ein Stück Lebenswillen. Viele Lebensziele sind bereits abgehakt (Mann, Frau, Kind, Haus, Reisen, …) und da fällt es schwerer ein Ziel, ein Event, zu sehen. Stell dir einfach mal vor du hast dein Leben gelebt und alles was noch kommt, bzw. was du kannst wurde schon (v)erlebt. Wo ist das Ziel? Und ich bediene mich eines Tricks hierbei. Besonders an den kurzen Tagen in den kalten Wintertagen sage ich schon seit Jahren:“Ich habe gehört der nächste Frühling wird der schönste Frühling nach vielen Jahren. Den musste noch miterleben.“. Mir ist bewusst, dass dies ein wenig ungewöhnlich klingt. Dennoch setzt es ungeahnte Kräfte frei, wenn der alte Mensch dann auf einmal das Ziel hat diesen schönsten Frühling noch zu erleben. Wenn du dann gesagt bekommst:“Den Winter will ich noch schaffen. Ich möchte diesen schönsten Frühling sehen.“, dann hast das du Lebensfeuer erweckt. Jemand der (noch) leben möchte, lebt auf jeden Fall nicht kürzer, als Jemand, der keine Events mehr vor sich hat. Natürlich muss es nicht der Frühling sein, er bietet sich jedoch an da er immer schön ist, es kann auch ein anderes Ziel sein. Wichtig ist jedoch, dass du den alten Menschen dabei hilfst solche Events zu finden, zu sehen und sich darauf zu freuen.

Schenke ihnen Zeit

Alte Menschen in deiner verwandten Umgebung, wie Omas oder Uropas, sollten so viel Zeit wie möglich mit dir genießen. Denn sie haben nicht mehr so viel davon. Hierbei ist es meiner Meinung nach wichtiger häufiger Zeit zu verbringen, als längere Zeit am Stück. Wohnst du zum Beispiel nahe deiner alten Familie, dann lasse dich regelmäßig blicken, täglich oder mindestens einmal die Woche. Achte darauf und lasse es nicht aufgrund einer stressigen Woche „ausfallen“. Und selbst, wenn du weiter entfernt wohnst, dann rufe regelmäßig und so oft du kannst mal an. Viele Menschen verbringen täglich Stunden mit Tippen und verschicken Spaßbilder über WhatsApp und Co und vergessen dabei die Menschen, die nicht mal mehr WhatsApp bedienen können. Davon jeden Tag in einen Anruf zu „investieren“ um einfach mal 5 Minuten Smalltalk mit einem lieben alten Menschen zu führen, ist eine der besten herzlichen Geschenke. So wie sich auf den nächsten Frühling gefreut wird, so freut sich auch dein Uropa auf deinen regelmäßigen Anruf oder deine Zeit.

Wie du siehst, gehen diese Tipps viel in die Richtung „Motivieren von alten Menschen“. Ein motivierter Mensch ist zu viel mehr fähig. Davon bin ich überzeugt, dass wie eine gute Motivation Lebensjahre schaffen kann. Besonders wichtig ist es bei den Menschen, die dem Alter entsprechend fit sind. Hier kannst du leicht Gutes tun. Ich wandle einmal eines der berühmtesten Zitate von Steve Jobs* etwas um.

„Wenn du einen alten lieben Menschen jeden Tag so behandelst, als wäre es der letzte Tag, dann wirst du irgendwann recht behalten. Und besonders im hohen Alter wirst du schneller Recht bekommen, als dir lieb ist.“

Ich hoffe der Artikel hat dir ein paar hilfreiche Gedanken vermittelt. Vielleicht hast du ja auch die eine oder andere Erfahrung und möchtest sie teilen? Dann hinterlasse sie im Kommentar.

Vielen Dank fürs Lesen und viel Herz beim Umgang mit alten Menschen wünscht

Christian


TIPP: Alte Menschen, besonders die Frauen lieben Blumen. Mache ihnen eine freudige Überraschung und schicke doch einfach mal ein wenig Motivation in dieser Form. Besonders an Muttertag, Weihnachten oder zum Geburtstag das passende Geschenk.



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