zweifel gift fuer das glück

Es muss unbedingt abgewogen werden, das berühmte „Für und Wider“. Man kann auch ein Gänseblümchen nehmen und Blütenblatt für Blütenblatt abwägen, ob er oder sie einen liebt oder nicht.

  • Aber was wäre wenn?
  • Welchen Nachteil könnte ich unter Umständen haben?
  • Passiert mir da auch nichts?
  • Vorher ging es ja auch.
  • Ist das überhaupt richtig?

Diese und noch viel mehr Fragen sausen einem durch den Kopf, wenn es darum geht eine Entscheidung zu treffen. Dabei stellt man sich ganz selten oder niemals die Frage: „Warum treffe ich gerade eine Entscheidung?“

  • Warum befindet man sich überhaupt im Prozess der Entscheidungsfindung?
  • Was passiert mit mir wenn die Entscheidung getroffen ist?
  • Welche Konsequenzen hat meine Entscheidung für andere?
  • Kann ich eine Entscheidung rückgängig machen?

Mehr Fragen. In dem Moment, indem wir eine Entscheidung treffen müssen, sehen wir uns gezwungen logisch zu denken. Logik. Ist meine Entscheidung am Ende logisch? Noch mehr Fragen.

Was ist Logik überhaupt? Der im 19. Jahrhundert geborene Mathematiker und Logiker George Boole versuchte die Logik mathematisch zu definieren. Aus Logik folgt Vernunft und vernünftige Entscheidungen möchten wir ja treffen. Viele Mathematiker danach haben die Boolesche Algebra weiterentwickelt und diese besonders für die Funktion technischer Geräte, wie Computer, unverzichtbar gemacht. Ist der Schaltkreis aus oder an? Eine logische Entscheidung muss getroffen werden. Die booleschen Variablen werden in der Programmierung in sogenannten Schleifen eingesetzt.

Wie eine boolesche Entscheidung getroffen wird ist relativ einfach. Man nehme eine beliebige Variable und legt eine Bedingung für diese fest. Trifft die Bedingung zu, ist sie wahr. Trifft sie nicht zu, ist die Bedingung falsch. So einfach kann Logik sein. Wenn doch das Treffen von Entscheidungen genauso einfach wär.

Was nun die logischen Operatoren der Programmierung mit dem Zweifel zu tun hat möchte ich in einem kleinen Beispiel erläutern. Mein Chef hatte eine Entscheidung zu treffen. Es ist für die Woche in der Frühschicht jemand krankeitsbedingt ausgefallen, daher musste er jemanden aus der Spätschicht kurzfristig in die Frühschicht planen. Dabei fragt er einen Kollegen aus dem Team, ob er ab morgen nicht in die Frühschicht wechseln möchte. Der Kollege begann zu überlegen. Frühschicht bedeutet, eher zu Hause zu sein. Man hat mehr vom Tag. Aber da muss man so früh aufstehen. Ich schlafe doch so gerne aus. So spät ist ja unsere Spätschicht eigentlich nicht. Wenn ich diese Woche in die Frühschicht wechsle, habe ich nächste Woche trotzdem wie geplant Frühschicht. Ich weiß es nicht.




All diese Gedanken zogen sich nun durch seinen Kopf. Was er nicht mitbekam war, dass unser Chef mal beiläufig in die Runde gefragt hatte, ob nicht jemand Lust hätte den Rest der Woche in die Frühschicht zu wechseln. Ich hob den Arm und sagte sofort:“ ja ich.“. Und schon war die Frühschicht verplant, sehr zur Freude des Chefs und auch mir.

Später in der Woche kam der Kollege zu mir und erklärte mir, dass er es sehr schade findet, dass ich mich so schnell entschieden hatte. Habe er sich am Ende doch für die Frühschicht entschieden. Doch es war zu spät und der Kollege etwas unglücklich. Der anfängliche Zweifel hat unweigerlich zu seinem Unglück geführt. Waren die Zweifel berechtigt? Waren sie logisch?

Warum ich nicht gezweifelt habe und eine solch schnelle Entscheidung treffen konnte ist schnell gesagt. Ich habe mich ausschließlich auf die positiven Sachen konzentriert. Ich weiß, egal ob ich Frühschicht oder Spätschicht habe, es ist immer schwer aus dem Bett zu kommen. Nachmittags früher zu Hause zu sein ist klasse, und wenn in der Woche nicht viel los ist, kann ich sogar noch etwas Überstunden abbauen, was ich bei der Spätschicht nicht kann. Dem war auch so. An einem Tag war ich schon 14 Uhr zu Hause. Glücklich.

Im internationalen Sprachgebrauch gibt es einen Begriff: „German Angst“. Während im ursprünglichen Sinne der „German Angst“ die zurückhaltende Außen- und Sicherheitspolitik und die eher Ängstlichkeit gegenüber dem Fremden gemeint ist, ist es mittlerweile Synonym in Amerika, Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern für die berühmte Entscheidungslosigkeit der Deutschen. Wir zweifeln zu viel. Deswegen wirken wir Deutschen auf andere Nationen oft mürrisch und humorlos. Die Deutschen können nicht lachen. Und was hat es uns gebracht? In den Vereinigten Staaten schießen Start‐Ups wie Pilze aus dem Boden. Jede noch so lächerliche oder wahnwitzige Idee wird auf den Markt gebracht. Es wird sich schon jemand finden, der dafür Geld ausgibt. Aus einer fixen Idee wird ein Berg voller Geld. Und die Deutschen bleiben auf dem internationalen Markt eher ohne Innovation. Warum?

  • Aber was wäre wenn?
  • Welchen Nachteil könnte ich unter Umständen haben?
  • Passiert mir da auch nichts?
  • Vorher ging es ja auch.
  • Ist das überhaupt richtig?

Fragen…

  • Soll ich jetzt eine Firma gründen?
  • Als Angestellter habe ich nicht so viel Verantwortung und das Geld ist mir sicher. Oder?
  • Was ist, wenn keiner meine Ideen kauft?
  • Was ist, wenn ich erfolgreich bin? Kann ich dem Druck standhalten?
  • Habe ich dann noch Zeit für meine Familie?
  • Ist ein 8‐Stunden‐Job nicht besser?

Antworten?

  • Ach, das wird eh nichts.
  • Der Markt ist schon gesättigt.
  • Das machen schon andere.
  • Mir geht es doch gut so wie es jetzt ist.
  • Das braucht doch eh keiner.

Innovation Made in Germany.

 

Damit hat es sich dann auch schon erledigt. Die Für und Wider wurden abgewogen und das Wider hat gewonnen, weil Einfach einfach einfach ist. Und am Ende eines langen Lebens liegt man im Sterbebett und die Reue breitet sich wie schwarzer Teer aus und klebt lästig am Gemüt. Man hätte nur gewinnen können. Dinge einfach ausprobieren. Als Kind haben wir es doch auch gemacht. Wir sind trotz Warnung des Vaters mit Badelatschen auf den Baum geklettert, abgerutscht und runtergefallen. Und der Vater so: „Wenn du jetzt quäkst, kriegst du von mir noch zusätzlich den Hintern versohlt, dass du nicht mehr sitzen kannst.“ Lernen und Erfahrung sammeln war nie so schön, wie in der Kindheit. Warum sich nicht den Zauber bewahren?

Nicht Tage oder Wochen darüber grübeln. Los machen! Jetzt! Man muss doch nicht gleich alles aufgeben, um Veränderung zu leben. Ich habe auch nicht meine Kindheit aufgegeben um auf diesen Baum zu kommen. Und bevor irgendetwas Schlimmes passiert wäre, hätte mein Vater mich aufgefangen und gerettet. So wie er es immer getan hat. Blaue Flecke gehören zum Erfahrung sammeln dazu. Man kann sich auch nebenberuflich selbständig mache, ohne den bisherigen Job aufzugeben. Einfach loslegen und die Ideen umsetzen. Wenn es nicht klappt hat man in der Regel nicht viel verloren. Dafür an Erfahrung gewonnen. Die Frage ist nicht: „Was könnte passieren?“ – die richtige Frage lautet: „Was ist schon passiert?“. Und Familie und Freunde werden hinter einem stehen. Du zweifelst daran? Wie würdest du dich entscheiden, wenn dein Partner oder bester Freund deine Unterstützung in einer Unternehmung braucht. Ablehnen? Ich denke nicht. Und der Spaß ist es allemal wert, wenn man später im Sterbebett liegt und zurück denkt an die ganzen Jahre mit einem Lächeln im Gesicht, weil das Leben vielseitig war und Spaß gemacht hat.

In diesem Sinne, viele Späße.

Michael Banditt

PS: Ich trage seit meinem 7. Lebensjahr keine Badelatschen mehr.

Anmerkung: Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Michael Banditt, einem kreativen Soundtalent und Verantwortlicher von https://raumklang-studio.de/. Weitere Infos und Kontakt findest du unter https://plus.google.com/u/0/+RaumklanGStudio


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