Minimalismus Zeit 01

Auf dem Sterbebett würde so mancher sein Geld gegen Lebenszeit eintauschen. Noch einmal einen Sommer erleben, ein Weihnachten bei Kerzenschein am Kamin feiern, das sind zwei der vielfältigen Wünsche. Zu spät, alles Geld der Welt bringt dir kein Leben zurück. Und so leid es mir tut, das letzte Weihnachten war dann wahrhaftig dein Last Christmas. „Es ist nicht wichtig wie viel Zeit wir Leben, sondern wie diese Lebenszeit genutzt wird.“, dieser bekannt Spruch inspiriert mich oft und aktiviert meine Gedanken. Zu einer besseren Nutzung deiner Lebenszeit möchte ich dir im kommenden Beitrag verhelfen. Bringe Minimalismus in deine Zeit, um maximal zu leben.

Durch Minimalismus mehr Zeit

Wie ein Tischfeuerwerk kurz vor der Explosion, so fühlen sich manche Kleiderschränke. Beim Öffnen dieses Schranks wirst du nicht nur ein Feuerwerk erleben, die Zeit die du benötigst um ein passendes Outfit zu finden, ist sehr hoch, Lebenszeit.  Minimalisten wissen, dass jeder Besitzgegenstand Zeit braucht. Aussuchen, pflegen, sortieren, beschaffen, entsorgen, waschen, abstauben, suchen, … Zeitfresser ersten Grades. Solch ein Kleiderschrank, an dem die Lunte schon brennt und der kurz vor dem explodieren steht, ist ein Zeichen zu handeln. Wahrscheinlich sind auch Küche und andere Lebensbereiche viel zu vollgestopft.  Entrümpelst du dieses Völlegefühl, das bedeutet alle zu entsorgen was nicht gebraucht wird, dann merkst du schnell wie du freier wirst. Jeder, der schon mal richtig ausgemüllt hat, konnte durchatmen und fühlt sich wohler. Nur die minimal benötigten Dinge zu besitzen bedeutet mehr Zeit.

Am Ende geht es darum Lebensqualität und Zeit zu gewinnen. Was bringt diese Zeit dann wenn sie verschwendet wird? Nichts. Deshalb müssen wir heute einen Minimalismus Schritt weiter gehen. Wir sollten gemeinsam klären wie wir diese neu gewonnene Zeit, oder überhaupt unsere Zeit, richtig aufräumen, damit wir nicht auf dem Sterbebett falsch liegen.




Zeit mit Minimalismus bestreuen

Im zweiten Schritt geht es an deine Zeit. Ähnlich wie deine Wohnung eine gewisse Anzahl von Gegenständen verträgt, so kannst du an einem Tag auch nur eine bestimmte Menge von Dingen durchführen. Der einzige Unterschied, ist das die Zeit eines Tages bei Jedem 24 Stunden beträgt. Im Gegensatz zu Wohnungsgröße ist dies gerechter. Die Gewinner des Minimalismusses sind Menschen, welche ihre Zeit am besten nutzen und schätzen. Glaube mir, viele Menschen haben so viel Zeit und sehen es nicht, verschwenden sie. Beginne damit deine Zeit zu entrümpeln. Finde die Zeitdiebe! Das sind Tätigkeiten, die dir nichts für dein Leben bringen, und dein Leben vorbei rieseln lassen. Eine gewonnene Stunde am Tag, bedeutet ein Gewinn von knapp 4 Jahren mehr Zeit in deinem Leben. Es ist vier Jahre länger, obwohl du im gleichen Alter stirbst. Siehst du wie wichtig es ist deine Tage zu entrümpeln? Okay, dann lass uns mit dem ersten Teil heute anfangen.

Teil 1: Mehr Zeit finden – Berieseln und Werbung

Dein großer Gegner hierbei ist die Welt drumherum. Längst sind die Geldsauger out, es sind Zeitsauger entstanden. Derzeitig geht es darum mit deiner Zeit Geld zu verdienen. Es wird darum gebuhlt, dass du so lange wie möglich Nachrichtenseiten liest. Man möchte, dass du dir Videos anschaust, oder dich im Fitnessstudio tummelst. Wenn du diesen Artikel liest, dann wird dies aufgezeichnet, analysiert und ausgewertet. Google möchte deine Zeit, Netflix möchte auch etwas abhaben, die wöchentlichen Werbeprospekte wollen gelesen werden und die Tagesschau kämpft darum, nicht noch mehr Sehminuten der Zuschauerzeit zu verlieren. Zeitkonsum ist sehr gefragt. Es fließt mit dieser Zeit natürlich Geld. Schlagzeilen werden so reißerisch geschrieben, dass du klicken musst. Oftmals hat der Nachrichteninhalt nicht mehr viel mit der Überschrift zu tun, doch sie haben dich, deinen Klick und deine Zeit. Ein sehr gutes Beispiel sind die niedrig wertigen bunten Fernsehsender. Talentshows explodieren wie Kleiderschränke und versuchen Zeit zu stehlen. Messe doch mal die sinnvolleren Inhalte einer Show, die Auftritte der Kandidaten. Bei einer zweistündigen Sendung wirst du so nicht mehr als 20 Minuten Auftritte sehen. Die anderen 100 Minuten bestehen aus Werbung, Kommentaren, wiederholenden Zeitlupen und so weiter. Vor den Werbeblöcken wird gezeigt was „gleich“ kommt. Dieses „gleich“ ist meist am Ende der Sendung und fesselt dich deine Zeit bis dahin nicht anderweitig zu verbringen. Diese Beispiele zeigen, dass du dein Medienkonsum verringern musst um deine Zeit zu entrümpeln.

Fange an deinen Bildschirm Konsum kritisch zu hinterfragen. Welche Inhalte schaust du dir an? Bringen sie dir etwas oder wirst du berieselt? Kannst du die Zeit nicht sinnvoller und produktiver für dich gestalten? Wie oft schaust du dir wiederholende Inhalte an? Wie viel Zeit verbringst du jeden Tag vor dem bewegenden Bild? Damit meine ich Fernsehen, YouTube, Amazon und Co. Wie du deine Wohnung entrümpeln kannst, so geht’s auch mit deiner Zeit. Schmeiße alles raus, was du nicht wirklich brauchst und befreie dich. Ich möchte dich nicht verleiten überhaupt nicht mehr zu konsumieren, doch viel bewusster. Eine gute Strategie um herauszufinden, was du wirklich brauchst ist Konsumfasten. Nimm einen Zettel und einen Stift und trenne alle Konsumzeitdiebe für mindestens 24 Stunden, besser eine Woche. Kein Facebook, WhatsApp, TV – klinke dich komplett aus. Schreibe immer auf wenn du was wirklich vermisst, brauchst ohne dem es fast weh tut. Natürlich ist Kontakt zu anderen erlaubt, versuche hier den gesünderen direkten Kontakt, Telefon oder persönlich, zu wählen.

Am Ende deines Konsums stehen auf deinem Zettel ausschließlich wichtige Dinge. Sachen die du wahrhaftig vermisst. Andere Dinge hingegen fehlen dir überhaupt nicht, sie gehören zu den Berieslern. Du wirst erstaunt sein wie viel dir gar nicht wichtig ist, was du sonst einfach nur so vor dich hin konsumierst. Nimm deinen Zettel und erlaube dir wieder die Sachen, welche aufgeschrieben wurden. Alles andere lässt du sein. Richtig ausgeführt wirst du zu erstaunlichen Ergebnissen kommen.

Ich stellte vor langer Zeit fest, dass ich Facebook nicht mehr brauchte. Die Kommunikation zu meinen Verwandten und Freunden funktionierte auch ohne. Und alles andere waren Zeitdiebe. Darunter fallen das Abgrasen der Pinnwände, das Kommentieren von Kommentaren und das Forschen, was es neues gibt. Nicht wichtige, aber neue Informationen. Wie viel Zeit ich im Facebook verbracht habe, merkte ich ein paar Tage nach dem Ausstieg. Mir war langweilig, ich hatte so viel Zeit. Mark Zuckerberg bekam somit nicht mehr meinen Konsum. Und dadurch, dass ich mich nicht mehr mit Statussymbolen anderer vergleichen konnte, lebe ich viel mehr für mich.

Genau so erging es mir mit WhatsApp. Ich stellte fest, dass ich nur eine Gruppe wirklich vermisse. Nachdem ich wieder online war, wurde ich zugebombt von Nachrichten, Witzbildern, sinnfreien Kommentaren anderer Gruppen. Also raus aus den Gruppen.

Einen weiteren Schritt zu gehen, heißt alle Werbeprospekte ungelesen zu vernichten. Am Wochenende gelangt immer ein zirka zwei Zentimeter dicker Stapel in den Briefkasten. Ich möchte meine Lebenszeit nicht damit verbringen wöchentliche Preisschwankungen zu analysieren. Keine Zeit. Wie geht’s dir dabei? Hast du schon einmal darüber nachgedacht diese Konsumzeit in eine Weiterentwicklungszeit umzuwandeln? Lege die Werbeprospekte zur Seite und lies ein Buch, welches dich weiterbringt, deine Hobbys beschreibt, oder ein gutes Lebensgefühl in dir weckt. In der heutigen Zeit ist kaum Raum um Bücher zu lesen, so denken viele Menschen, die Realität zeigt dir, dass du passive Konsumzeiten gegen bessere Gelegenheiten tauschen kannst. Kauf dir ein Buch und lese es an den Wochenende anstatt die Werbung zu verschlingen.

Lass die Finger generell von der Werbung. Solltest du noch das „klassische“ Fernsehen schauen, dann nutze die Möglichkeiten des TimeShifts oder der  Aufnahme deiner Sendung. Schaue die interessanten Inhalte in einer Form ohne Werbung. Am besten ist hierbei die komplett aufgenommen Sendungen. Hier kannst du Werbung und uninteressante Stellen überspringen. Auch hier habe ich einen Trick für dich.


Drei Minimalismus Bücher, die du kennen solltest

Nehme die Sendungen auf, von denen du denkst, dass du sie sehen möchtest. Warte immer 2 Wochen bevor du sie anschaust. Du lernst einen sehr interessanten Effekt kennen. Einen Großteil der Sendungen wirst du dir niemals anschauen. Vergleichbar mit dem explodierenden Kleiderschrank, bei dem du nur einige wichtige Stücke anziehen wirst, so schaust du dir nach einer gewissen Zeit die wenigsten Sendungen an. Erst mal haben, anschauen kann man ja immer noch später. Wenn dieses Später zum Nie wird, dann hast du wertvolle Zeit gespart.

Nachdem du dem Berieseln und der Werbung die lange Nase gezeigt hast, sind die Nachrichten an der Reihe. Es fällt schwer ohne Nachrichten zu leben. Keine Zeitschriften, keine Onlinezeitungen oder die klassischen Papierausgaben am Kiosk. Viele Menschen unterliegen hier einem der größten Denkfehler meiner Meinung nach. „In der heutigen Zeit muss man doch informiert sein.“, so die Reaktion wenn ich empfehle auf (mehr) Nachrichten zu verzichten. Eine komplette Woche ohne Nachrichten, wie würde sich dein Leben ändern? Zum 99% überhaupt nicht. Denn es hat keinen Einfluss auf dein Dasein ob sich ein Hollywoodpärchen getrennt hat, oder ob in China Siebenlinge zur Welt gekommen sind. Alles was du liest, mit ganz wenigen Ausnahmen, kostet nur deine Zeit und bringt überhaupt nichts. Ich mache mal den Live Test und gehe auf die größte deutsche Popularzeitschrift. Rot mit den weißten Buchstaben. Die Top News sind jetzt in diesem Moment:

  • Ein Bericht über die Promi Dart WM
  • Die Info, dass es 224 ausländische Gefährder in Deutschland gibt
  • Das gegen die Banken geklagt wird
  • Ein Text, dass die neue Formel 1 lauter und schneller wird
  • Und natürlich das Wetterchaos

Und ist hier irgendwas dabei, was dich wirklich betrifft oder weiter bringt? Einzig deine Lebenszeit wird verbraucht, mehr nicht. Es gibt einen sehr intelligenten Grundsatz, der lautet :“Die wirklich wichtigen Nachrichten erreichen dich persönlich.“ Volltreffer, so ist es. Ich erfahre die meisten Neuigkeiten und dies im Gespräch mit anderen Menschen. Es gibt viele gute, interessante und auch schlechte Dinge auf der Welt, sie zu kennen, bedeutet nicht sie zu ändern.

Zusammenfassung Teil  1

Zum Einstieg in die Serie waren die heutigen Informationen leichte Kost. Dinge über die du möglicherweise schon nachgedacht hast, oder einige davon umsetzt. Dazu gehören:

  • Verringere deine Zeit in der du dich berieseln lässt, indem du deinen Bilschirmkonsum reduzierst
  • Gehe der Werbung komplett aus dem Weg
  • Reduziere oder Verzichte deine Zeit für Nachrichten

Nachdem du diese Punkte aktiv angegangen hast, wirst du sehr schnell viel mehr Zeit übrig haben. Für Ziele, Träume, Wünsche, Zeit für dein Leben. Probiere es in den nächsten Tagen ruhig einmal aus, damit du dann vorbereitet für den zweiten Teil der Serie : „Minimalismus mit der Zeit“ bist.

Danke für deine Lesezeit

Christian


9 thoughts on “Minimalismus mit deiner Zeit (Teil 1) – Lass dich nicht berieseln!

  1. Wirklich ein toller Beitrag. Ich bin seit Sommer 2016 nicht mehr bei Facebook und WhatsApp. Bedauerlicherweise komme ich beruflich nicht so ohne Weiteres vom Populismus-Magazin aus Berlin los. Warum wohl? 😉
    Mich hat dieser Artikel auch sehr nachdenklich gemacht, da ich mittlerweile auch an der Schwelle stehe mich vorerst vor allem und jedem abzukapseln. Und währen ich ein drittes Mal nur noch einmal über diesen Artikel fliege, muss ich sogar etwas grinsen über den letzten Absatz. Kommt mir doch schlagartig eine Kleinigkeit etwas paradox vor. Ich solle den Bildschirmkonsum exzessiv reduzieren. Aber, hey! Vorher noch Newsletter abonnieren, eBook durchlesen und regelmäßig Mails checken, damit ich die nächste Folge der Serie „Minimalismus mit deiner Zeit“ nicht verpasse.

    In diesem Sinne – I hör jetzt n bissl Musi. 😀

    1. Hi Micha,

      vielen Dank für deinen Beitrag und herzlichen Glückwunsch zum Ausstieg aus FB und WA. Für mich ist es aktuell „schwerer“ ohne Facebook. Ich würde so gern ausgewählte Artikel in dieser Welt teilen.

      Das Paradoxon fetzt. Es benötigt Bildschirmzeit um diese zu verringern. Na bin ich denn in der Matrix? 🙂 Es geht eher darum die qualitative Bildschirmzeit zu halten, und den Müll zu entsorgen. Ich arbeite echte daran, dass meine Beiträge immer einen Mehrwert haben. Ansonsten kann man sich ja das E Book ausdrucken 😉 Ich denke mal, dann werden dir die weiteren Teile gefallen. Dort wird das Paradoxon (hoffentlich) abgerundet.

      Was tust du um deine Zeit effektiver zu nutzen? Hast du einen Tipp für die Leser?

      Einen guten Start in die Woche wünscht

      Christian

  2. Ich finde Gesundheit und Zeit werden viel zu wenig geschätzt. Denn wir tauschen beiden zu häufig gegen den Versuch ein, ausreichend Einkommen zu generieren. Und mit 60, 70 Jahren kommt dann die Erkenntnis. „Hätte ich doch anders gelebt“, müssen sich dann viele eingestehen. Solche Beiträge wie diesen hier, die müsste man mehr in sozialen Medien teilen. Spürbar 99% sitzen in ihrem Hamsterrad fest und erfüllen die Ziele ihrer Vorgesetzten, statt die eigenen.

  3. Hey Christian,
    ein schöner Beitrag, gerade auch, weil das kostbarste, was wir haben, die Zeit ist.

    Ich habe noch einen Tipp: Besser Bücher ausleihen, als Bücher zu kaufen. Ich lese prinzipiell Bücher nur ein Mal. Daher stapelten sich immer mehr Bücher bei mir und verstaubten. Also hatte ich mehr Arbeit und weniger Platz. Seit einem halben Jahr leihe ich mir Bücher in der Bibo aus und das für einen kleinen Jahresbeitrag. 🙂
    Zum Thema Nachrichten: Da lese ich auch nur den Newsletter vom Handelsblatt. Da weiß man kurz und bündig was in der Welt los ist, ohne ins Detail zu gehen.
    Werbeprospekte bekomme ich zum Glück keine.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.