Unser Gehirn kann Erinnerungen verschließen. Erlebte Sachen werden in den Windungen gefangen gehalten bis es ein Schlüsselerlebnis erfährt. Es fühlt sich wahrhaft so an, als würde sich eine Tür zu längst vergessenen Erlebnissen öffnen. Mir passiert dies sehr oft beim Musik hören. Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, dass ich als Kind im Trabant von Mr. Mister „Broken Wings“ sehr oft mithören durfte. Natürlich wusste ich damals nicht wie die Band hieß oder gar das Lied. Auch hielt mein Gehirn die Erinnerung des stundenlangen Fahrens zum Thüringer Wald abgeschlossen. Bis zu dem Moment an den dieser Song Anfang des Jahres im Radio lief, ganz zufällig. Sofort durchfuhr es mich wie ein Blitz, mein Gehirn schloss die dazu gehörige Tür auf und die Erinnerungen war so nah als wäre es erst eine Woche her.

Möglicherweise kennst du solche aufschließenden Momente? Für mich ist es immer wieder beeindruckend wie eine so lange vergessene Erinnerung zurück kommen kann. Letzte Woche passierte es wieder und dieses Mal war es nicht mit Musik verbunden, sondern mit einer Quarktorte, DER Quarktorte. Meine Oma feierte ihren 90. Geburtstag, ich war auf der Suche nach einem besonderen Geschenk. Etwas was man nicht kaufen kann, dennoch mit viel Liebe verschenkt wird. Ich entschied mich einen Kuchen zu backen und mir dabei richtig Mühe zu geben. Doch welchen Kuchen backe ich? Diese Frage schwirrte mehrere Tage durch meinen Kopf. Erst suchte ich im Internet und in meinem „Ich helf Dir kochen“ – Buch*, richtig individuell fand ich das nicht. Es fiel mir zum Glück noch ein, dass meine Oma eine Art Rezeptbuch in einen ihrer Küchenschränke versteckt hatte. Ein kleines Büchlein mit handgeschriebenen Rezepten aller Art. Beim Durchblättern entdeckte ich das Rezept der Quarktorte.

Nur das sehen dieses kleinen handgeschriebenen Rezeptes riss meine Tür im Gehirn auf und katapultierte mich in die Vergangenheit. Ich war wieder vier oder fünf Jahre alt, saß am Küchentisch und schaute zu wie Oma diese Quarktorte backte. Da ich in meiner Kindheit oft dabei zugeschaut habe wie dieses leckere Stück gebacken wurde, konnte ich mir die Situation bildlich und fast schon zu real vorstellen. Mir fiel dann sofort ein, dass ich immer die Schüssel auslecken durfte und manchmal die Macht über das Rührgerät bekam. Viele Erinnerungen kamen zurück, auch die Erinnerung, dass diese Torte einfach nur herrlich schmeckte. Sofort war mir klar, dass ich einen „Kuchen“ gefunden habe, den ich zum Geburtstag backen konnte. Das tat ich auch und beschenkte Oma. Sie, einige Gäste und ich fanden diese Torte einzigartig und schneller als gebacken, war sie gegessen.

Ich möchte dir heute das Rezept dieser Torte weitergeben und beschreiben, wie ich sie gebacken habe. Vielleicht ist dieses Rezept auch schon hundertfach im Internet zu finden, doch diese Torte reiht sich ab sofort in  die Top 5 meine Favoriten-Liste ein. Hier die Top 3 (schmunzel)

Quark-Torte … das Rezept

Dank heutiger Möglichkeiten muss ich das Rezept nicht mehr abschreiben, sondern kann es digitalisieren und dir zeigen. So sah das Original aus:

rezept quarktorte

Hier noch einmal in Druckschrift die Zutaten

  • 500 Gramm Quark
  • einen halben Liter Milch
  • 175 Gramm Zucker (entspricht zirka einer Tasse)
  • ein Päckchen Vanillin-Zucker
  • drei Eigelb
  • eine Tasse Öl
  • eine Packung Pudding (Vanille)
  • Eischnee schlagen
  • Löffelbiskuits 100 – 125 Gramm (Boden)
  • Butter (Boden)

Mehr Informationen gab es nicht dazu, somit musste ich meinen Menschenverstand aktivieren, was nicht schwer war bei diesen einfachen Zutaten. Eine kleine Abwandlung habe ich eingebaut, einen Boden. Ich mag es mit Boden und etwas individualisieren wollte ich schon. Wie habe ich es gemacht? Vier wahrhaft sehr einfache Schritte führen zu meiner Lieblings-Quarktorte.

Schritt 1 – der Boden

Zuerst werden Löffelbiskuits zerstampft und mit warmer Butter vermengt. Daraus entsteht eine teigartige Masse für den Boden. Nehme diese Masse und verteile sie gleichmäßig auf dem Grund der Kuchenform. Stelle nun alles in den vorgeheizten Backofen. Fünf Minuten sollten reichen. Während anschließend die Füllung hergestellt wird, lässt du den Boden abkühlen.

Schritt 2 – Die Füllung

Nun weiß ich auch, warum es diesen Kuchen so oft bei uns gab. Alle Zutaten kommen in eine große Schüssel und werden gut verrührt. Ich vermute, dass zu DDR-Zeiten Magerquark verwendet wurde und dieser mit dem Öl geschmeidiger gemacht wurde. Ich verwendete 500 Gramm 20 Prozent Quark und dafür nur eine reichliche halbe Tasse Öl. Alles schnell vermengt schaut etwas aus wie ein flüssiger Shake(lach). Beachte dabei, dass du das Eigelb vom Eiweiß trennst. Das Eiklar gehört in eine extra Schüssel.

Schritt 3 – Eischnee schlagen

Dies hatte ich schon jahrelang nicht gemacht, da ich mich immer daran erinnere, dass es lange dauerte bis das Eiweiß fest war. Dieses Mal fiel es mir einfacher und ich möchte unbedingt auch etwas Werbung an dieser Stelle machen (Nein ich werde nicht gesponsert). Und zwar besitze ich den Kenwood Stabmixer Triblade* und es gibt für den Stab einen Schneebesen-Aufsatz. Eine tolle Erfindung, besonders wenn es etwas schneller gehen soll. Damit war nach zwei Minuten das Eiweiß so fest wie gut geschlagene Sahne. Wahnsinn und vor allem viel Schlagzeit gespart.

Finaler Schritt – Unterheben und Ofen

Nun heißt es den Eischnee unterzuheben, also mit dem Shake vermengen. Nur nicht zu lange mischen, da sonst die feste Struktur des Schnees zerstört wird.  Anschließend geht es für 50 – 60 Minuten bei zirka 160 Grad in den Backofen und schon ist die beste Quarktorte fertig, nachdem sie abgekühlt ist. Ein wirklich einfaches minimalistisches Rezept. Besonders ohne Boden heißt es Zutaten zusammen rühren und Eischnee unterheben, fertig.

quarktorte ohne boden

Jeder, der an Omas Geburtstag ein Stück davon abbekommen hat, war begeistert, mich eingeschlossen. Ich war bereits beim ersten Bissen mit meinen Gedanken im Jahr 1982. Die Erinnerungen daran wie ich damals diese leckere Torte gegessen habe, deckte sich mit dem heutigen Geschmack. Möglicherweise bilde ich es mir auch nur ein, dass sie wie Früher schmeckt. Auf jeden Fall war es das leckerste Backresultat seit langer Zeit. Nun, ein paar Tage später backe ich dieses einfache Meisterwerk noch einmal. So kann ich ein Foto für diesen Beitrag machen und meine Arbeitskollegen damit überraschen. Ich bin sich es wird ihnen schmecken, und dir auch.

Einfach gut und lecker, besser als beim Bäcker. Ich wünsche dir viel Spaß beim Nachmachen und Kosten.

Christian

P.S. Ich habe zum Schluss noch vier Backbuch-Empfehlungen. Solltest du einen süßen Zahn haben und gern backen und Neues ausprobieren, dann schau die folgende Bücher an:

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