Lifestyle Inflation - warum die Mittelschicht kein Vermögen aufbaut

In Gesprächen mit Freunden und Bekannten höre ich immer wieder das Gleiche:
“Das mag für dich ja funktionieren, aber ich kann mir nicht leisten, zu sparen.” Oder, “Mit unseren monatlichen Ausgaben haben wir leider keine Möglichkeit, Vermögen aufzubauen.”. Haben meine Gesprächspartner mit ihrer Einschätzung recht? Und falls ja, woran liegt das? Ist ihr Einkommen, tatsächlich so niedrig, dass sie kaum oder gar nicht sparen können? Oder liegt das Problem vielleicht doch woanders?

Ohne Sparen kein Vermögensaufbau

Das Grundprinzip des Vermögensaufbaus leuchtet jedem ein: wer jeden Monat weniger ausgibt als er einnimmt, baut über die Zeit automatisch ein Vermögen auf.
Mit anderen Worten:

Alles fängt mit dem Sparen an..

Je höher die entsprechende Sparquote ist, desto schneller kommst du mit dem Vermögensaufbau voran. Doch das Problem vieler lautet schlicht und einfach: Ich kann gar nicht sparen. Für Hartz-IV-Empfänger mag das zutreffen, aber die arbeitende Bevölkerung der Mittelschicht leidet an einer allzu weit verbreiteten “Krankheit”: der Lifestyle Inflation.

Lifestyle Inflation – Die Krankheit der Mittelschicht

Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Lifestyle Inflation beschreibt das Phänomen, dass man seinen Lebensstil immer an das monatliche Einkommen anpasst. Als Student gibst du dich mit zehn Quadratmeter in einer WG zufrieden. Du schläfst auf einer Matratze auf dem Boden und fährst mit dem Fahrrad zur Uni. Du isst Tiefkühl-Pizza oder holst dir einen Döner vom Türken an der Ecke.

Nachdem du deine erste Anstellung bekommst, ziehst du in eine 1-Zimmer-Wohnung, kaufst dir ein richtiges Bett und einen Gebrauchtwagen. Ab jetzt gibt es jeden Tag das teure Essen aus der Kantine deiner Firma und mit deiner neuen Freundin gehst du öfter mal in ein feines Restaurant. Die erste größere Gehaltserhöhung feierst du mit dem Kauf eines Neuwagens, deine Freundin hast du inzwischen geheiratet und ihr zieht in eine 3-Zimmer-Wohnung. Und zweimal im Jahr gönnt ihr euch einen Urlaub in einem Luxushotel auf Bali.

Ok, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben dargestellt. Und natürlich plädiere ich an dieser Stelle nicht dafür, dass man sein Leben lang auf einer Matratze auf dem Boden schlafen und sich von Tiefkühl-Pizza ernähren sollte. Dennoch es erklärt es im Grunde, warum viele Deutsche von sich behaupten, dass sie nicht wirklich sparen können.

Können sie es wirklich nicht? Oder kommt ihnen nur die Lifestyle Inflation in die Quere? Meiner Meinung nach trifft in den meisten Fällen letzteres zu.

Woher kommt dieses so weit verbreitete Phänomen?

Die Ursachen der Lifestyle Inflation

Ich persönlich erkenne vor allem drei Ursachen für diese moderne “Krankheit”. Abnehmender Grenznutzen und hedonistische Adaptation
Der abnehmende Grenznutzen ist ein Begriff aus der Wirtschaftslehre und beschreibt die menschliche Erfahrung, dass mit steigendem Konsum eines Gutes der Grenznutzen dieses Gutes immer mehr abnimmt.

Als Beispiel können wir eine frisch aus dem Steinofen kommende Pizza nehmen. Das erste Stück schmeckt absolut himmlisch (wenn man Pizza mag). Das zweite ist auch noch ziemlich gut. Das dritte schmeckt zwar ganz gut, kommt aber nicht mehr an das erste Stück heran. Spätestens beim sechsten Stück ist die daraus gewonnene Befriedigung (der Grenznutzen) nicht mal annähernd so groß wie beim ersten.

Mit anderen Worten: wir gewöhnen uns sehr schnell an bestimmte Dinge in unserem Leben und passen uns an..

Am Anfang ziehen wir noch eine sehr große Befriedigung aus unserem neuen VW Golf. Doch mit jedem weiteren Tag, in dem wir damit zur Arbeit fahren, nimmt der Grenznutzen des Fahrzeugs ab. Das Gefühl, als wir mit dem neuen Wagen vom Hof des Autohändlers gefahren sind, ist nicht mehr da. Es fehlt uns.
Also muss ein neuer Wagen her. Am besten gleich ein BMW. Vielleicht hält das Gefühl dann ja länger an?

Mit dem abnehmenden Grenznutzen direkt verwandt ist die hedonistische Adaptation. Das ist laut Wikipedia “die Tendenz der Menschen, nach einem stark positiven oder negativen Lebensereignis relativ schnell zu einem relativ stabilen Level von Glück bzw. Glücklichsein zurückzukehren.” Was in Krisenzeiten ein Stärke des Menschen ist, kann schnell zu einer teuren Schwäche werden, wenn es um die eigenen Konsumgewohnheiten geht. So ist es natürlich hilfreich, wenn jemand nach einem Unfall, der eine Querschnittslähmung zur Folge hat, sich möglichst bald wieder auf dem selben Level von Glück befindet wie vor dem Unfall.

Auf der anderen Seite führt die hedonistische Adaptation allerdings auch dazu, dass man nach stark positiven Erlebnissen relativ bald wieder auf das ursprüngliche Glückslevel zurückfällt. Der Kauf eines neuen Autos, der Umzug in eine größere Wohnung, der Besuch eines besonders teuren Restaurants: all das sind in der Regel stark positive Erlebnisse. Der Drang danach so etwas wieder zu erleben und zu fühlen ist verständlich. Führt aber eben häufig dazu, dass wir unser Geld immer wieder für neue, größere, funkelnde Dinge ausgeben, die wir eigentlich nicht brauchen. 

Das zweite Parkinsonsche Gesetz

Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts hatte der britische Soziologe C. Northcote Parkinson beobachtet, dass die meisten Menschen zur Prokrastination neigen. Oder anders gesagt: Wir schieben Unangenehmes solange vor uns her, bis wir es unbedingt erledigen müssen. Daraus entstand das erste Parkinsonsche Gesetz: Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Die zu erledigende Arbeit passt sich also an die zur Verfügung stehende Zeit an.

Etwas ähnliches passiert vielen Menschen mit ihrem Geld. Sie passen ihre Ausgaben an ihre Einnahmen an.Das fiel Herr Parkinson dann einige Jahre später auch auf. So besagt das zweite Parkinsonsche Gesetz, auch das Gesetz der Verschwendung genannt, dass die Ausgaben stets bis an die Grenzen des Einkommens steigen. Parkinson bezog diese Beobachtung vor allem auf das Verhalten von Staaten. Aber es ist kaum zu übersehen, dass auch viele Einzelpersonen sich strikt an dieses scheinbare Naturgesetz halten.

So als könnten sie nicht anders, wird einfach jeden Monat das zur Verfügung stehende Geld ausgegeben – manchmal sogar noch mehr als das. Das Ergebnis ist Lifestyle Inflation und keine Möglichkeit Vermögen aufzubauen.

Wir haben verlernt uns zufrieden zu geben

Der erst kürzlich verstorbene Erfinder des Indexfonds, John Bogle*, hat vor einigen Jahren ein Buch geschrieben, das den schlichten Titel “Enough” trägt. Genug. Zu Beginn erzählt er folgende Anekdote: Bei einer Party unterhalten sich zwei Freunde über den milliardenschweren Gastgeber der Feier, auf der sie sich befinden. Der eine weist den anderen darauf hin, dass ihr Gastgeber an einem Tag mehr Geld verdient habe als sein Freund mit den Verkaufserlösen seines überaus beliebten Romans jemals einnehmen würde. Daraufhin entgegnet der erfolgreiche Autor: “Ja, aber ich habe etwas, das er nie haben wird… genug.”

Wir leben in einer Welt, in der uns ständig suggeriert wird, dass wir noch mehr brauchen, um endlich glücklich zu sein. An jeder Ecke will uns die Werbung weismachen, dass wir uns Glück kaufen können – wenn wir uns nur für genau diese Sonnenbrille, die Hosen dieser Marke und für jene moderne Frisur entscheiden. Die Folgen sind verheerend. Denn es bleibt uns kein Geld, um Vermögen aufzubauen und glücklicher sind wir nachher auch nicht.

Was macht wirklich glücklich?

Und somit sind bei unserem Grundproblem angekommen: Was macht uns denn wirklich glücklich? Mehr Konsum ist es jedenfalls nicht. Sonst würden alle Westeuropäer mit einem Dauergrinsen durch die Gegend laufen 😉 Studien zeigen immer wieder, dass es eher besondere Erlebnisse und Zeit mit lieben Menschen sind, die uns glücklich machen. Also lieber mit dem alten Golf in den Familienurlaub fahren, als mit dem neuen 5er BMW permanent auf Geschäftsreise zu sein und die Familie selten zu sehen.

Du leidest unter Lifestyle Inflation?

  • Fokussiere dich auf das, was wirklich zählt! Beschäftige dich mit dem Minimalismus. Lies Marie Kondos Bücher!
  • Fang an Sparpotentiale zu entdecken!
  • Beginne mit dem Vermögensaufbau. Anstatt bei der nächsten Gehaltserhöhung zu überlegen, in welchem Bereich deines Lebens du jetzt mehr Geld ausgeben kannst, erhöhe deine Spar-Rate!
  • Finde heraus, was dich wirklich glücklich macht und gib dich zufrieden mit dem, was du hast!

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Fazit

Viel zu viele Menschen der Mittelschicht bauen kein Vermögen auf, weil sie es sich angeblich nicht leisten können. Die meisten von ihnen sind Opfer der Lifestyle Inflation. Ihre Ausgaben werden laufend an das verfügbare Einkommen angepasst. Dabei merken sie nicht, dass das Glück nicht in einem größeren Haus oder teureren Auto zu finden ist. Sondern vor allem in stärkeren Beziehungen und besonderen Erlebnissen. Die können natürlich auch mal Geld kosten. Müssen sie aber nicht unbedingt.

Und das ist der entscheidende Unterschied.

Wie siehst du das mit der Lifestyle Inflation? Ist das für dich auch eine Versuchung oder bist du der Minimalist schlechthin? 🙂

Über den Autor:

Auf finanziellfit.de bloggt Carsten über Moneybuilding statt Bodybuilding – langfristiger, entspannter und automatisierter Vermögensaufbau durch systematisches Sparen, achtsames Ausgeben und vor allem intelligentes Investieren. Dabei gibt er Tipps, wie du dein Geld richtig sparst und anlegst und dabei teilt er seine eigenen Erfahrungen mit der Geldanlage in P2P-Kredite und ETFs. Zusätzlich zeigt er auf, dass es sich lohnt, weniger Zeug zu kaufen und mehr Geld in die eigene Bildung und in andere Menschen zu investieren.

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