Sie wollen nicht mehr dein Geld, sondern deine Zeit. Die moderne Form des Überfalls findet unbemerkbar statt, und gestaltet sich fast schon angenehm. Es geht darum deine Aufmerksamkeit auf Bits und Bytes zu lenken. Am besten blind konsumierend eingebettet in Werbebannern. Du sollst lange auf einer Webseite verweilen, so viel teilen wie es nur geht und liken bis der Daumen abfällt. Kurz Sie wollen deine Lebenszeit durch Online Dasein ersetzen. Bist du nicht Online, dann sollst du deine Daten horten um sie später zu nutzen. Wie du dich davon befreist und dein Leben zurückbekommst, erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Der Sägezahneffekt

Bevor es mit den Tipps los geht, möchte ich dir sagen, dass viele Digitalisten sich oft jeder Chance der Selbstverwirklichung und Produktivität berauben. Denn wichtige Arbeiten und Aufgaben sollten ungestört und in einem Fluss erledigt werden. Wenn du eine Aufgabe beginnst, dann dauert es immer einige Zeit bist du richtig dabei bist. Deine Konzentration und Aufmerksamkeit schärft sich je länger du ungestört bist. Eine Störung kann dich zurück werfen und es dauert ein paar Minuten bis du wieder im Flow bist.

minimalismus-digital-2016

Leider sind in der heutigen Zeit die Ablenkungen wie eine Horde Zombies bei der Eroberung der Welt. Du hast keine Ruhe und nicht die Chance effektiv zu sein. Die digitalen Unterbrechungen (Nachrichten, Chats, Mails, …) sind hierbei die Hauptschuldigen und die bekommst du mit digitalen Minimalismus besiegt.

Kommunikationsfreie Zeit

Immer und überall erreichbar zu sein war noch vor einigen Jahren der Wunsch vieler Menschen. Jetzt ist es soweit und es wird sich beklagt, dass keine Ruhe mehr gefunden wird. Ständige Unterbrechungen, ein Chef der in der Freizeit nervt und eine Nachrichtenfrequenz bei der du einen Löschdaumen brauchst sind das Ergebnis. Man sehnt sich nach Ruhe und tut nichts dafür – außer Klagen. Der Sägezahn ist in seinem vollen Element.

Richte dir kommunikationsfreie Zeiten ein. Zeit und Raum für Familie, Freunde und das richtige Leben. Bei mir sieht es so aus, dass sich an Wochentagen von 21 Uhr bis 7 Uhr der Flugzeugmodus automatisch aktiviert. Am Wochenende ist zusätzlich bis zum Mittag der Ungestörtmodus aktiviert. Auch über den Tag verteilt, lasse ich bewusst oftmals das Smartphone ruhen. Es bedarf einiger Gewöhnung und auch etwas Kritik bis sich die Menschen herum mit dieser Art der minimalistischen Erreichbarkeit arrangiert hat, doch das Endresultat bietet die mehr effiziente Zeit und höhere Produktivität.

Nur Inhalte zählen

Fast kostenfrei ist die digitale Kommunikation. Und so werden die Worte inflationär gebraucht und verschwendet abstumpfend genutzt. Dies kann sich wie folgt lesen:

  • „Schöne Grüße von der Insel.“
  • „Schon wieder Montag und ich habe keinen Bock.“
  • „Schau mal, was ich grad gesehen habe.“

Das sind 3 Paradebeispiele von Nachrichten, die die Welt braucht, welche absolut keinen Sinn machen weil sie meist zuviel verwendet werden. Antworten darauf lauten meist:

  • „Tolle Landschaft. Da möchte ich auch mal hin.“
  • „Ich habe auch keine Lust heute.“
  • „Coole Sache“

Begleitet von Emojis und Smileys. Wenn du deine Chatverläufe kritisch betrachtest, dann findest du viele dieser „leeren Kommunikationen“. Auf der einen Seite wird nach Aufmerksamkeit gesucht, und die andere Seite antwortet aus Höflichkeit. Dies hat oft keine Substanz und ist eine Zeitverschwendung. Was hältst du davon diese Medien nur noch für die notwendigen Sachen zu nutzen? Entweder für wirklich wichtige und aussagekräftige Sätze oder als Antwort auf konkrete Fragen. Das führt dazu, dass du 80 Prozent weniger Lesen und Schreiben wirst, und so verrückt wie es klingt, trotzdem nichts Wichtiges verpasst. Probiere es mal aus. Wenn du dies über längere Zeit verfolgst, bekommst du nur noch Nachrichten, die Hand und Fuß haben, keinen Fahrstuhl Smalltalk Charakter.

Eine gute Freundin hat vor Jahren wirklich nur geantwortet wenn es Sinn machte. Das bedeutete, dass ich auch mal keine Antwort auf einen Text bekam. Ich fand das wirklich „unhöflich“ und fühlte mich weniger geschätzt. Es bauten sich sogar negative Stimmungen in mir auf. Manchmal führte mich dies zu einer eingeschnappten Stimmungslage: “Was bildet die sich ein nicht zu antworten?“. Jetzt weiß ich, dass sie immer antwortet wenn es Sinn macht. Und dementsprechend gewachsen ist unsere Kommunikationskultur. Weniger, dafür besser und intensiver. Und Smalltalk findet in der realen Welt seinen Platz. Da wird auch über sinnfreie Themen gesprochen.




Weniger Gruppenwortsex

Digitale Gruppen zur Kommunikation sind etwas Feines. Schnell kann ein Event organisiert werden oder eine Aufgabe wird gemeinsam in Angriff genommen. Ist dieses Event vorbei oder die Aufgabe erledigt, dann solltest du aus den Gruppen austreten. Beim Verbleib besteht die „Gefahr“, dass du irgendwann in zu vielen Gruppen festklebst. So geht es mittlerweile Vielen. Diese Chatzentralen sind ein Müllhaufen von unnützen Smalltalk, Spaßbildern und aufgedrückten Meinungen. Das lesen und dabei sein wollen kostet zu viel deiner Lebenszeit. Deshalb überlege gut, ob du in den Gruppen weiter verharren möchtest. Denn zu den wichtigen Mitgliedern hast du sowieso einen direkten Draht.

Vor einiger Zeit war ich in acht oder neun Gruppen. Irgendwo wurde immer etwas geschrieben. Und auch wenn ich kaum antworte, musste ja alles gelesen werden. Für den Fall, dass doch etwas Wichtiges dabei ist. Jetzt bin ich nur noch in 3 Gruppen und es fühlt sich schon besser an. Wichtige Nachrichten erreichen mich immer auf einen Weg. Die 90% nicht so wichtigen Nachrichten belasten mein Leben nicht mehr.

Vermeide es also in Gruppen oder Chats zu verharren.

Der Minimalismus E-Mail Workflow

Für dein Email Postfach schlage ich dir auch meinen minimalistischen Workflow vor. Richte dir in deinem Mailprogramm folgende 5 Ordner ein:

  • Posteingang
  • 2DOL8TER
  • 2RL8TER
  • Archiv
  • Newsletter

Mit minimalen Aufwand ist es dein Ziel immer einen leeren Posteingang zu haben. Wie funktioniert es? Nach dem Abrufen deiner Mails musst du nur für jede Nachricht eine sekundenschnelle Entscheidung treffen. Du hast dabei drei Optionen.

  1. Bearbeite ich die Mail sofort? JA – dann öffne die Mail, schreibe die Antwort und verschicke sie. Danach löscht du sie direkt.
  2. Erfordert die Mail eine Aktion? JA – verschiebe sie in den 2DOL8TER (To do later) Ordner.
  3. Möchtest du die Nachricht später lesen bzw. auf die darin enthaltenden Links klicken? JA – dann sofort damit in den 2RL8TER Ordner.

Das war es. So einfach kann ein aufgeräumtes Postfach sein. Natürlich solltest du dir einmal in der Woche ein Zeitfenster einräumen, in dem die 2RL8TER und 2DOL8TER abarbeitest. Du wirst erstaunt sein, wie effizient du bist, wenn du am Stück diese Mails in Angriff nimmst.

Weiterhin richtest du eine Regel ein, welche Mails aus dem Ordner 2RL8TER und 2DOL8TER die älter als 14 Tage sind ins Archiv verschieben. Und zum Schluss richtest du eine weitere Regel ein, welche alle eingehenden Newsletter direkt in den Newsletter Ordner verschieben.

Mit diesem Email – Workflow verbringst du viel weniger Zeit in deinem Postfach, es ist immer leer und es wird nichts liegen gelassen. Probiere es einfach mal aus!

Dateien sortieren und löschen

Nutze die kalten trüben Wintertage um mal richtig zu sortieren. Auf vielen Geräten versauern Bilder, Videos und Texte. Auch wenn die Chance sehr gering ist, dass sie in den nächsten Jahren betrachtet werden, sind sie gehortet.

Beginne damit alle Filme und Musik zu löschen. Derzeitig kannst du jederzeit an alles kommen. Musik im Streaming, Video on Demand und Filmflatrates sorgen dafür, dass du nichts mehr horten musst. Weg damit! Einzig private Aufnahmen würde ich noch mal einer Sichtprüfung unterziehen. Anschließend brauchst du nicht mehr viel Speicher, da die größten Datenfresser weg sind.

Nun kann sortiert werden. Besonders die privaten Dateien. Nutze die Schlechtwettertage um alles an EINE Stelle einzusortieren. Private Bilder in einen Ordner, eigene Dokumente in einen Ordner und so weiter. Sei auch hier konsequent und lösche dabei so viel wie möglich. Eine ganze Menge Arbeit. Einmal richtig aufgeräumt, ist dein Dateileben umso leichter.

Nachdem zwei Mal in den letzten Jahren mein Postfach auf Arbeit „zerstört“ wurde, gehe ich diese Thematik mit dem löschen viel leichter an. Damals waren jahrelanges Wissen und (aus meiner Sicht) wichtige Mail gespeichert. Beim ersten Datenverlust war ich kurz davor frei zu drehen. Doch die Welt drehte sich weiter und ich habe nichts vermisst, obwohl alle Daten verloren waren. Das passierte ein paar Jahre später noch einmal … und ich lebe immer noch. Beim zweiten Mal war ich sogar froh ein leeres aufgeräumtes Postfach zu haben. (lach)

Maximal fünf Fotos pro Erinnerung

Jetzt wird es hart. Doch es muss sein. Die Bilderflut ist so groß. Von jedem Event werden oftmals hunderte Fotos gemacht. Jeder Zweite knipst. Selbst von Geburtstagen gibt es hunderte Bilder. Jeder Moment soll festgehalten werden. Ich bin dagegen, dann am Ende reichen 5 ausgewählte Bilder um alle Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Anstatt alle Fotografien auf deine Laufwerke zu schieben, suche dir die besten 5 raus. Alle anderen haben es nicht verdient, und werden sehr wahrscheinlich eh nie wieder angeschaut.

Immer die effizienteste Kommunikationsmethode wählen

Ein kurzes Gespräch kann einen stundenlangen Chat ersetzen. Weiterhin hat dies den Vorteil, dass es keine Missverständnisse gibt. In Buchstaben wird oft mehr hinein interpretiert als notwendig. Ironie und Sarkasmus wird nicht verstanden bzw. erzeugt. Auch die die Distanz in Buchstaben sorgt für Äußerungen, die im realen Leben kaum den Mut zum Platz finden. Anstatt zu schreiben, rede lieber!

Bewegungen befreien und nicht tracken

Es wird alles getrackt was nur möglich ist. Wieviel Schritte bin ich gelaufen? Wie schnell bin ich gerannt? Wo bin ich lang gewandert? Alles wird digital aufgezeichnet. Gehe mal in dich und hinterfrage, ob dies notwendig ist. Früher habe ich jeden Radkilometer aufgezeichnet und konnte am Monatsende sagen, dass ich 400 Kilometer gefahren bin. Heute fahre ich aus Spaß und Genuss. Für mich ist das Gefühl sich verausgabt und etwas Gutes für den Körper getan zu haben wichtiger als eine Zahlenkolonne.

Medienkonsum einschränken

Konsum kommt aus dem Lateinischen und bedeutet VERBRAUCH. Diesen Medienverbrauch einzuschränken sollte dein Ziel sein. Passives Berieseln, neugieriges Durchstöbern fremder Profile und stundenlanges Youtube schauen und Kommentare lesen – alles ist Konsum. Es frisst deine Lebenszeit und bringt dich kein Stück voran. Du wirst verbraucht. Derweil bietet das Internet so viele Möglichkeiten dich weiter zu entwickeln oder Geld zu verdienen. Also aktiv zu werden. Auch bei der Förderung deines Hobbies und deiner Gesundheit helfen dir die Datenautobahnen. Es kommt darauf an WIE du das Internet nutzt und nicht wie es dich benutzt. Stelle dir bei dem was hierbei tust immer die Fragen:

  • Entwickle ich mich weiter?
  • Bringt es mir etwas?

Kannst du keine der Fragen mit Ja beantworten, dann konsumierst du passiv. Außer Zeitverlust wirst du kein Resultat für dich und deine Lieben erbringen können.

Bewusste Konsumzeiten

Ganz ohne Konsum geht es nicht. Was hältst du davon dir geplante Konsumzeiten zu schaffen? Wo du dir bewusst sagst :“Jetzt verschwende ich mal meine Zeit und genieße.“. Klingt ungewöhnlich, hat jedoch einen gewaltigen Vorteil. Angenommen du reservierst dir eine Konsumzeit von 2 Stunden. Du weißt, dass morgen Abend diese Zeit geblockt ist. Dann überlegst du vorher, was du in dieser Zeit machst. Somit wird das was du konsumierst „hochwertiger“ oder es macht dir mehr Spaß.

Fazit: Digitaler Minimalismus

Er bedeutet mehr Leben. Analog zum analogen Minimalismus. Wenn du es schaffst durch diese Tipps nur eine Stunde pro Tag einzusparen und besser zu nutzen, dann hast du nach 15 Jahren ein ganzes Jahr Lebenszeit eingespart. Nicht zu unterschätzen ist der geringere Stress und- Druckpegel. Hast du noch Tipps für eine digitale Minimalisierung? Dann hinterlasse einen Kommentar.

Vielen Dank für deine digitale Zeit.

Christian


Mehr qualitativer Lesestoff zum Thema Minimalismus gefällig? Hier meine Tipps*

 


Werbung

5 thoughts on “Digitaler Minimalismus: 10 Tipps für ein leichtes digitales Leben (Thema des Monats)

  1. Ich weiß das hört sich vielleicht blöd an, aber man kann nicht immer davon ausgehen das man selbst den richtigen Weg einschlägt. Wenn man einerseits predigt verzichte verzichte und schmeisse alles weg und habe nur Kontakt zu wenigen wichtigen bzw nützlichen Menschen in Deiner Umgebung. Ich finde, das ist mit Verlaub gesagt, „Unsinn“. Der Mensch ist nun einmal Kommunikativ, ansonsten, könnte sich jeder, nach seiner Geburt bis zum Tod in einer Höhle einsperren.
    Manche Dinge welche im Text aufgeführt sind, mögen für ein paar Zeitgenossen zutreffen, aber Menschen quasi einwenig in die Ecke zu stellen, weil Sie zBsp Ihre Aktivitäten tracken, bedeutet noch lange nicht, das diese Menschen um Aufmerksamkeit buhlen, sondern, vielleicht haben die einfach nur Freude daran was Sie tun, oder Sie sind stolz auf das, was Sie geschafft haben.

    Eigentlich ist auch dieser Blog an sich, ein Widerspruch. Weil wenn man keine Aufmerksamkeit möchte, warum kreiere ich dann einen Blog den so viele wie möglich lesen sollen ??
    Ich sehe da, einen mehr als großen Wiederspruch.
    Ehrlich zu sich selber zu sein, ist nichts schlimmes.

  2. Hi Rene,
    super Beitrag. Du bringst es klasse auf den Punkt. Dinge die Spaß machen und aus tiefsten Herzen kommen, sollte jeder Mensch einfach machen. Da ist es auch zweitranging ob alle mitgehen. Genau dahin gehört die Lebenszeit. Ich finde es sehr wichtig bei den heutigen Möglichkeiten besonders in der Kommunikation sich nicht zu sehr von unnützen Dingen ablenken zu lassen. Nicht Menschen – sondern (Spaß)nachrichten.

    Falls ein Punkt oder ein Beitrag nicht mit deiner Überzeugung überein stimmt, nimm es nicht persönlich. Betrachte es ein wenig wie ein Süßigkeiten Geschäft. Die eine davon schmeckt dir eher nicht (Minimalismus), die andere umso besser (Investieren). Greif dazu was dich interessiert und wo du noch ein paar Tipps mitnehmen kannst.

    Natürlich soll der Blog und die Beiträge auch gut besucht sein, da ich denke, dass die eine oder andere Süßigkeit (in Form von Tipps, Tricks und Co) vielen Menschen schmeckt. Quasi Aufmerksamkeit um Anderen Gutes zu tun oder zu helfen. -> http://selbst-schuld.com/neu-hier/

    Kennst du nicht diese Menschen, die Ihre schritte Zählen lassen und jede Kalorie registrieren? Aus meiner Sicht ist das nicht nötig und es befreiender den Spaß in den Vordergrund zu lassen und nicht die Zahl. Falls Jemand sich in die Ecke gedrückt fühlt, dann am besten ein anderes BonBon nehmen, denn wenn was aus tiefsten Herzen kommt, dann heißt es dies tun oder erleben.

    Großes Dankeschön für deine Meinung

    Christian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.